Aussendungen

BREAKING NEWS: Moving Beyond Osama Bin Laden

Liebe Frauen ohne Grenzen, Liebe SAVE Sisters, Liebe FreundInnen,

SAVE – Sisters Against Violent Extremism ist weltweit die erste weibliche anti-Terror Plattform. Die Zivilgesellschaft, besonders die Frauen, spielen im Kampf gegen Extremismus bis heute kaum eine Rolle. Es wäre naiv zu denken, dass Bin Ladens Tod das Ende unserer Anstrengungen bedeuten würde. Um einen langfristigen Wandel zu erreichen, müssen wir sicher stellen, dass wir Terrorismus an seinen Wurzeln bekämpfen, indem wir mit Familien, Communities und Gesellschaften zusammen arbeiten.

Präsident Obama hat vergangene Nacht verkündet, dass Al Kaida Chef Osama bin Laden fast 10 Jahre nach 9/11 im Norden Pakistans getötet wurde.

Bin Laden war die Repräsentationsfigur der Al Kaida, der die Ideologie der Gruppe erfolgreich verbreitet hat. Sein Tod soll nicht zum Feiern anregen, sondern als Wendepunkt im Kampf gegen gewalttätigen Extremismus gesehen werden.

Im letzten Jahrzehnt haben wir viel darüber gelernt, wie man effektiv gegen Terrorismus vorgehen kann. Wir müssen uns bewusst machen, dass Al Kaida sehr schnell wieder agieren kann, wenn wir es nicht schaffen, diesen Zeitpunkt sinnvoll zu nutzen. Militärische Einsätze spielen eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, die unmittelbare Gefahr terroristischer Gruppierungen einzudämmen. Staatliche und politische Herangehensweisen können mittelfristig signifikante Veränderungen herbeiführen. Um jedoch langfristig einen Gesinnungswandel zu erreichen und den Reiz extremistischer Ideologien zu verringern, muss die Zivilgesellschaft eine zentrale Rolle einnehmen und für eine Kultur der Gewaltlosigkeit und Toleranz eintreten. Nur so kann es zu einem Perspektivenwandel innerhalb von Communities kommen.

Der Tod von Bin Laden reicht nicht aus, um die Gefahr von gewalttätigem Extremismus auszulöschen. Er kann aber sehr wohl als Chance gesehen werden, gefährdete Communities zu motivieren, damit moderate MuslimInnen und Stimmen der Zivilgesellschaft gemeinsam und über nationale, ethnische und religiöse Grenzen hinweg eine starke Gegenbewegung zu Bin Landes gewalttätiger Ideologie aufbauen.

SAVE nutzt das Potential von Frauen, die als Frühwarnsysteme in ihren Familien, Gemeinschaften und unter ruhelosen Jugendlichen agieren können. Frauen dabei zu unterstützen, eine tolerante Umwelt zu propagieren, in der gewalttätige Ideologien keinen Platz haben, ist der Schlüssel für langfristigen Erfolg im Kampf gegen gewalttätigen Extremismus.

Die „Mothers for Change“ Kampagne stellt den Mittelpunkt unserer Arbeit dar. In ihrer zentralen Rolle innerhalb der Familien sind Mütter die Haupterzieherinnen der jungen Generation und somit perfekt positioniert, um Anzeichen von Radikalisierung in Familie und Gemeinschaft früh zu erkennen. Um ihre Kraft wahr zu nehmen und sie einsetzen zu können, müssen den Müttern die richtigen und notwendigen Mittel zur Verfügung gestellt werden.

SAVE hat heute Morgen Statements von SAVE Sisters aus aller Welt gesammelt, um ihre Gedanken zum Tod von Osama bin Laden aufuzeichnen:

Aicha el Wafi, deren Sohn Zacarias für die Mittäterschaft an den 9/11 Anschlägen verurteilt wurde, ist SAVE Testimonial und möchte eine Kurznachricht an alle Mütter senden:

“Ich möchte allen Müttern sagen – den Müttern in Israel, Palästina, Europa, Amerika: Es gibt niemand wichtigeren als die Mütter. Ihr müsst eure Kinder schützen, sie so erziehen, damit sie sich selbst, ihre Länder und andere respektieren. Kinder erkennen nicht immer sofort die Gefahren, die überall lauern. Ich habe erst dann verstanden, was passiert ist, als es schon zu spät war. Ich war naiv. Ich liebte meine Kinder und ich dachte, meine Liebe würde ausreichen, um sie vor Unheil zu schützen. Aber extremistische Organisationen nützen Kinder aus, die nichts verstehen, und Liebe ist hierfür nicht genug.

Ich möchte Müttern in aller Welt Mut senden. Ihr müsst die Aufmerksamkeit eurer Kinder nutzen. Ihr müsst ihnen zeigen, Respekt zu haben und ihnen sagen, dass es gute Menschen gibt. Aber ihr müsst ihnen auch beibringen, dass es schlechte Menschen gibt und welche Gefahren lauern. Liebe kann Berge versetzen, aber ihr müsst eure Kinder lenken.“

SAVE ist auch eine Plattform für Opfer und Überlebende von Terrorakten. Diese mutigen Menschen, viele von ihnen haben es geschafft, ihre Trauer in Aktivismus umzulenken, leben mit einem unvorstellbaren Schicksal und können dazu beitragen, neue Strategien für die Bekämpfung radikaler Ideologien zu entwickeln. Ihre Augenzeugenberichte bieten eine ganz starke und neue Perspektive und können in Begegnungen mit der jungen Generation helfen, für Gewaltfreiheit einzutreten.

Gill Hicks ist eine junge Australierin, die bei den 7/7 Anschlägen auf die Londoner U-Bahn beide Beine verloren hat. Gill arbeitet mit Jugendlichen und hilft ihnen, die tatsächlichen Folgen terroristischer Anschläge begreifbar zu machen. Sie führt Gespräche mit gefährdeten Jugendlichen und ermutigt sie darüber nachzudenken, „ob es irgendeinem Palästinenser oder jemand anderem hilft, dass ich nun ohne Beine da sitze.“

„Es muss uns bewusst sein, dass wir nicht einfach eine Idee oder eine Ideologie töten können. Das beunruhigt mich sehr. Ich rufe die Menschen auf, mit gutem Beispiel voranzugehen und zu reflektieren, was wir genau wollen. Wir können eine Idee nur mit einer anderen Idee bekämpfen“, sagt Gill Hicks.

Mit besten Grüßen,

Edit Schlaffer und das Frauen ohne Grenzen / SAVE Team

 

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