22. September 2006
Frauen in Venpurusam beim Englischkurs.
Jaypal, 16, kann einfach nicht aufhören zu lächeln. In seiner neuen Uniform, mit Schuhen und Socken, Knieschützern und dem Kricketschläger in der Hand steht er da und ist überzeugt, dass sein Team das Match gewinnt.
„Viele Menschen, verschiedene Organisationen, Leute von der Regierung etc. sind seit dem Tsunami in unsere Dörfer gekommen, aber nur Frauen ohne Grenzen / SMART haben soviel Geduld und Zeit aufgebracht, um zu verstehen und zu sehen, was wir wirklich brauchen.“
Im Rahmen unserer Projekte in der Region Tamil Nadu haben Frauen ohne Grenzen in Kooperation mit SMART/Archana Kapoor dieses Kricket Match – Indiens beliebteste Sportart - veranstaltet. Sport gibt nicht nur Kraft und Stärke, Sport hilft auch, Traumata zu überwinden.
„Ich weiß gar nicht wie ich mich bei euch bedanken soll für all das“, meint Sachin aus Venpurusam.
Dieses Kricket Match, an dem Buben und junge Männer aus mehr als 20 umliegenden Dörfern teilgenommen haben, war gleichzeitig auch der Startschuss für die nächste Phase unseres Projekts „Connecting Women and Children for Hope!“ in Venpurusam und Kokilimedu. Die Organisation eines derartigen Spiels hat dazu beigetragen, Vertrauen zwischen den Menschen zu schaffen und zu zeigen, dass wir noch da sind. Und vor allen Dingen ging es auch darum, die Strukturen dieser patriachalen Gesellschaften aufzuweichen, zu zeigen, dass es wichtig ist, dass Frauen und Männer zusammenarbeiten, dass Frauen Leadership Programme ein Gewinn für die gesamte Gesellschaft sind.
In den letzten Monaten ist viel geschehen in den Dörfern. Die Frauen lernten Autofahren, nahmen an Buchhaltungskursen teil und gingen zum Selbstverteidigungstraining. Frauenkooperativen wurden gegründet, Fischernetze und –boote bereitgestellt. Der Schwerpunkt lag auf Wiederaufbau und Bereitstellung von existentiellen Dingen für das alltägliche Leben.
Nun liegt der Schwerpunkt unserer Arbeit auf der Stärkung der Communities, die DorfbewohnerInnen sollen aktiv an Veränderungsprozessen teilnehmen.
Bisherige Erfahrungen aus den Tsunami-Katastrophenhilfeprogrammen zeigen, dass unkoordinierte Hilfsmaßnahmen in Kombination mit zu viel Geldern auf einmal eher schaden denn helfen, da die Communities so völlig abhängig von der Hilfe werden.
Unser Fokus liegt auf der Stärkung der Frauen, wir bieten Bildungsprogramme für Kinder und Jugendliche, ermöglichen jungen Frauen einen Schulbesuch, machen Kommunikationstraining, organisieren Englisch und Computerkurse und schaffen durch die zahlreichen anderen Aktivitäten Raum und Möglichkeiten für Veränderung und Aufarbeitung.
„Ich habe schon über meine Rechte bescheid gewusst, aber ich traute mich nie, meinem Ehemann Paroli zu bieten. Ich hoffe, dass die Trainings mir helfen, mehr Vertrauen in mich zu gewinnen“ (Bhuvaneswari)
Gemeinsam mit unserer Partnerin Archana Kapoor und ihrer NGO SMART arbeiten wir daran, alle Mitglieder der Communities einzubeziehen, denn nur so können die Frauen Führungspersönlichkeiten werden, in Entscheidungsprozesse eingreifen und, vor allem, gleichgestellte Partnerinnen im Entwicklungsprozess sein. Es ist wichtig, die Männer, vor allem die junge Generation, einzubeziehen, denn nur so kann garantiert werden, dass Frauen ihren Platz, ihre Position für die Zukunft finden und bekommen.
„Ich dachte, ich kenne mich selbst, weiß, was in mir steckt, aber jetzt, durch diese Programme wird mir bewusst, dass ich mein Potential nie erkannt habe. Ich kann viel stärker sein, und ich bin viel selbstbewusster.“ (Kangadevi).