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27. Juli 2006

Rafi interviews © Rafael Kropiunigg/FoG

Rafael Kropiunigg beim Interview mit einem der israelischen Teilnehmer.

Peacecamp action ©Rafael Kropiunigg/FoG

Peace Camp Schaukel ©Rafael Kropiunigg/FoG

Peace Camp Fisch ©Rafael Kropiunigg/FoG

Österreich/Israel/Ungarn - Peacecamp 2006

Der Tag an dem wir unsere Waffen niederlegten und unsere Stimmen unsere Munition waren...

Es scheint fast unglaublich, dass Frieden in solch schlimmen Zeiten überhaupt möglich ist. Doch das Peacecamp 2006 in Franzen, Oberösterreich, zeigt uns, dass es auch andere Wege gibt. Jüdische und arabische Jugendliche aus Israel entdeckten gemeinsam mit österreichischen und ungarischen Jugendlichen ihre kulturellen und religösen Unterschiede und Gemeinsamkeiten. Verständnis für einander und nachhaltige Freundschaften haben sich im Laufe des 10tägigen Peacecamps entwickelt. Mit der Organisation dieses Camps bauten Dr. Evelyn Böhmer und Hadassah eine einzigartige Friedensinitiative auf. Auch wenn wir in solch kritischen Zeiten leben, derartige Initiativen tragen dazu bei, Hürden zu überwinden, Vorurteile abzubauen, Frieden zu schließen. Das Peacecamp hat uns gezeigt, dass ein Miteinander möglich ist, wenn Menschen mit ihren Worten, und nicht mit Waffen kommunizieren.

Rafael Kropiunigg nahm im Rahmen seines Praktikums bei der Österreichischen Stiftung Weltbevölkerung – SWI – und Frauen ohne Grenzen am Peacecamp teil und dokumentierte das Geschehen vor Ort. Lesen Sie hier seine Eindrücke:

Was für einen Weg zum Frieden würden Sie sich vorstellen? Truppen, die mit AK- 47 vor den Gesichtern in den Libanon einmarschieren oder Gruppen des Peacecamps, die durch Wien spazieren mit nichts anderem als Frieden im Kopf und voller schlagfertiger Argumente dafür?
Beide Gruppen und Truppen haben dieselbe Mission, beide behaupten, dass sie im Namen des Friedens kämpfen. „Ist das nicht ironisch?“

Bevor ich nach Franzen kam, dachte ich mir, dass die aktuelle politische Situation Donner und Blitz unter den TeilnehmerInnen auslösen würde. Die Tage vergingen und mir wurde bewusst, warum Politik immer an zweiter Stelle stand und warum die Diskussionen nie in blutigen Auseinandersetzungen endeten. Es wurde mir klar, dass sich Menschen aus vier Nationen nicht vordergründig deshalb trafen, um über die Hisbollah, Israel, Syrien und den Iran zu diskutieren, sondern um das miteineinander Leben zu lernen. Die TeilnehmerInnen haben keine Vorurteile oder Ärger mitgebracht, im Vordergrund stand die Gemeinschaft.

Die Peacecamp TeilnehmerInnen aus Israel repräsentierten eine Minderheit, die progressive Minderheit der Zivilbevölkerung. Ihr tägliches Brot besteht aus Rassismus, Vorurteilen und Gewalt. Konstruktives Debattieren ist oft ein abstraktes Werkzeug, das uns nicht unbedingt näher an den Frieden bringt. Trotzdem haben die Peacecamp TeilnehmerInnen gelernt, dass “es immer Hoffnung gibt“, dass es noch Menschen gibt, die an Friedensverhandlungen glauben. Manche TeilnehmerInnen meinten, dass es ihnen gar nicht bewusst war, dass es überhaupt Leute „von der anderen Seite“ gibt, Menschen, die auf einen zugehen und die solch friedliche Gedanken haben wie sie selbst.

Manchmal diskutierten wir einfach nur über Haustiere oder ähnliche Themen, aber im Mittelpunkt standen Menschenrechte, und alle waren zu 110% Prozent dabei. Es war uns bewusst, dass unsere Diskussionen nicht immer gleich zu Lösungen führen würden, denn friedliche Debatten brauchen Zeit, aber sie tragen zu einer nachhaltigen Lösung bei.
Einer der Peacampleiter meinte, dass Frieden durch das vermitteln von persönlichen Gedanken erreicht werden kann: „It’s about spreading the word”. Dem kann ich nur zustimmen.
Viele TeilnehmerInnen erzählten mir von ihren Vorurteilen, die sie vor dem Peacecamp hatten; nach diesen 10 Tagen existierten derartige Einstellungen nicht mehr. JedeR einzelne hat mit dem Ende des Camps auch jegliche Gefühle von Hass, Missgunst und Reue hinter sich gelassen.

Es ist unsere Aufgabe, diese Stimmung, diesen Weg des Friedens auf der Welt zu verbreiten. Und ich hoffe, dass ich Sie, liebe LeserInnen, mit diesen Zeilen dazu ermutigen kann, aktiv am Frieden mitzuarbeiten, sich dafür einzusetzen. Wir sollten nicht immer nur einseitig denken, so finden wir nie Antworten. “Wenn beide Seiten einander zum Opfer machen, oder sich selber als das Opfer sehen, dann wird es nie Antworten geben.”

Es ist so paradox, dass ich von den 15 bis 17jährigen TeilnehmerInnen lernen musste, dass, wir das Leben nicht immer nur in schwarz und weiß sehen sollten. Wir müssen lernen, Kompromisse zu schließen, nur so können wir auf Frieden zusteuern. Frieden ist niemals weiß.

Ich bin fest davon überzeugt, dass wir versuchen müssen, unser Kommunikation, unser Verstehen, auf neutralen Grund zu bauen, um mit unseren Mitmenschen zusammenleben zu können. „Weder Täter noch Opfer“ lautete der Slogan des Peacecamps, aber es ist schwer, neutral zu bleiben, gerade wenn man persönlich betroffen ist.
Wichtig ist es, die Möglichkeit, beide Seiten zu betrachten, wahrzunehmen, Informationen auszutauschen und neue Perspektiven zu eröffnen.

Ich habe gelernt, dass die Hoffnung auf Frieden in den Händen der Jugend liegt. Wir müssen jene Tradition brechen, in der der Glaube von Generation zu Generation weiter geleitet wird, und stattdessen die Chance ergreifen, unsere eigene Meinung zu bilden, unseren eigenen Weg zu gehen. Peacecamps wie dieses in Franzen ermöglichen das. Wir müssen uns treffen um zu diskutieren und um uns mit den Menschen unseres Alters auszutauschen. So sieht der Weg zum Frieden in meinen Augen aus, und ich denke, dass wir uns bereits auf diesem Weg befinden. 

                                                        “Spread the word.”

- rafi k.

 
 

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