
Wir leben in einer Zeit großer objektiver Gefahren und subjektiver Ängste, unser kollektives Denken zerfällt in zwei gefährliche Kategorien: wir und die anderen.
Wir leben in einer Zeit von pompösen Theorien über aufeinanderprallende Kulturen, Denkansätze, die nicht wirklich zu positiven, lösungsorientierten Analysen und Handlungen führen.
Globale Bedrohungen wie Terrorismus und nuklearer Waffenaufbau kommen täglich als ungebetene Gäste in unsere Wohnzimmer. Wir können nun entweder die Türen und Fenster fest verschließen oder das neue Jahr damit beginnen, die Fenster weit zu öffnen, das Licht hereinzulassen, entschlossen hinauszugehen und uns mutig den Herausforderungen zu stellen. Dafür brauchen wir aber Ziele, an die wir glauben, eine Vision für die wir arbeiten wollen, und realistische Strategien, an denen wir alle teilhaben können – vor allem dürfen wir unsere Sicherheit nicht einfach Autoritäten und Experten überlassen.
Der Nahe Osten ist immer noch eine große beunruhigende Unbekannte für uns und die häufig stereotypisierte Medienberichterstattung hilft nicht wirklich dabei, den Menschen in der Region näher zu kommen, ihren Alltag und ihre Politik zu verstehen. Viele Entwicklungen im Nahen Osten sind in der Tat überraschend und inspirierend: Frauen zum Beispiel sind der Motor des im Modernisierungsprozesses. Stellen Sie sich vor, in einer so geschlossenen Gesellschaft wie Saudi Arabien hat die erste Frau das Cockpit erobert. Hanadi Zakaria Al-Hindi ist die persönliche Pilotin des Prinzen Alwaleed ibn Talal. Bei der Abschlussfeier für ihre Ausbildung ließ der Prinz durch folgende Worte aufhorchen: „Ich glaube, dass arabische Frauen genauso, wenn nicht sogar noch fähiger sind als ihre männlichen Gegenüber.“
Wir können den eindrucksvollen Durchbruch der arabischen Frauen in die klassisch männerdominierte Welt der Technik und des Business beobachten. Unternehmerinnen und Ingenieurinnen prägen bereits die Geschäftswelt.
Nadia Bakhuri hat sich als einzige Frau unter 72 Männern, für die erste saudische Interessensvertretung der IngeneurInnen aufstellen lassen – und sie hat gewonnen! Ihre Agenda ist höchst eindrucksvoll und zielt dezidiert darauf ab, weibliche Ingeneure beim Überspringen der Hürden zu unterstützen und sie vor allem für den entscheidenden Sprung zu ermutigen.
Sheika Lubna kennt diese Hürden sehr gut. Als einzige weibliche Ministerin für Finanzen und Planung im Arabischen Raum wurde sie – gefeiert von Time Magazine bis BBC – schnell ein Synonym für Kompetenz und Courage. Sie ist sich bewusst, dass sie den Ton angibt für eine neue Liga von Frauen im Nahen Osten und die positive weltweite Resonanz ist notwendiger Rückenwind für ihre nächsten Schritte.
Durch die internationale Allianz von Frauen werden diese mutigen Vorkämpferinnen bestärkt und unterstützt.
Ich habe sie kürzlich in Abu Dhabi zu einem ausführlichen Gespräch getroffen und saß einer energiegeladenen und beeindruckenden Lubna gegenüber, zu der zum Beispiel Studentinnen der lokalen Zayed Universität bewundernd aufschauen. Sheika Lubna erinnert sich an die Aufforderung einer Gulf News Journalistin, die ihr im Interview entgegenrief: „Sprechen sie für uns – sie haben die Latte für Frauen hoch angesetzt!“ ... „Da wurde mir bewusst“, sagt sie, „dass ich Teil einer Bewegung bin, denn weitere Frauen sind meiner Ernennung im Golf nachgefolgt – ohne jedes Tabu. Als Frau in der Technik hatte ich eine starke Trumpfkarte, denn in diesem Bereich werden wir gebraucht, mehr als irgendwo sonst. Und dieses Faktum hat mir in jedem Fall Sichtbarkeit gegeben.“
Frauen ohne Grenzen hat nun diese Umbruchphase als Anlass genommen und ein großes aktionsorientiertes Forschungsprojekt gestartet: „Bridging the Gap – Empowermentstrategien für den jungen, weiblichen arabische Talent-Pool!“
Das Projekt stellt sich die aufregende Frage, genau zu analysieren, wer diese Frauen sind, die das Gesicht des Nahen Ostens verändern. Wie können sie dazu beitragen, die aktuelle und nächste Generation junger weiblicher „Leader“ zu unterstützen?
Die Studie wird auch das Ungleichgewicht zwischen der Anzahl der hochgebildeten jungen Frauen und jenen, die tatsächlich berufstätig sind, untersuchen.
Das Projekt wird nicht nur Daten und Analysen liefern, wir werden auch innovative Berufsmessen organisieren, die nationalen und internationalen Firmen, Medien sowie Regierungsorganisationen und VertreterInnen der Zivilgesellschaft die Möglichkeit bieten, mit den jungen weiblichen Talenten konstruktiv zusammenzutreffen.
Wir freuen uns, ein dynamisches und erfolgreiches Forschungsjahr zu starten.
Setzen Sie Sport auf die Liste Ihrer Neujahrsvorsätze – Sport kann Sie zu einer politischen Aktivistin machen!
Sport ist ein neuer großer Schwerpunkt für Frauen ohne Grenzen.
Warum? Es gibt viele Gründe. Aber wir haben gesehen, wie Frauen rund um den Globus davon abgehalten werden, Sport zu betreiben, ihnen wird das Recht auf Bewegung genommen: Mädchen, stehen oft praktisch unter Hausarrest, aber auch kulturelle Tabus verhindern, dass Frauen und Mädchen sich entwickeln, die Erfahrung machen, persönliche Stärke durch Bewegung zu gewinnen.
Frauen ohne Grenzen haben immer versucht, Sportprogramme in die Projekte einzubinden – zum Beispiel Basketball in Afghanistan, Fußball in Ruanda oder Schwimmen in Indien.
Das Projekt “Frauen Schwimmen in die Zukunft!” wird Schwimmkurse für Anfängerinnen und zukünftige Trainerinnen organisieren, ein großartige Chance, Empowerment und persönliche Entwicklung durch Sport zu fördern. Wir werden mit Österreichischen Trainerinnen von der Österreichischen Wasserrettung und dem Jugendrotkreuz nach Chennai reisen und dieses einzigartige Projekt starten. Viele Unverhältnismäßig viele Mädchen und Frauen sind durch den Tsunami ums Leben gekommen, wie die renommierte Organisation Oxfam im Vorjahr einer erschütternden Öffentlichkeit bekannt gegeben hat. Sie sind oft auf ertrunken, weil sie einfach nicht schwimmen konnten. Durch dieses Projekt sollen Frauen Überlebensfähigkeiten trainieren, sie sollen Zuversicht in ihre Stärke und Selbständigkeit bekommen. Die Filmemacherin Archana Kapoor, Repräsentantin von Frauen ohne Grenzen in Indien, wird das Projekt dokumentieren. Wir freuen uns schon auf den ersten Frauen ohne Grenzen Film!
Wir sind motiviert von so wunderbaren Rollenmodellen wie die 18jährige Khalida Popal, eine afghanische Fußballspielerin, die sagt: „Die Buben in meiner Nachbarschaft haben immer gerufen – sie ist kein Mädchen, sie spielt Fußball. Aber ich habe sie nicht beachtet, ich habe trotzdem weitergespielt.“
Oder Alia Hayel Al-Howaite, die erste saudische Jockey, die an nationalen Wettkämpfen teilnimmt.
Wir fördern das Recht von Mädchen und Frauen, Sport zu betreiben und zu gewinnen.
Frauen ohne Grenzen sehen Sport auch als Instrument, um Gesellschaften zu heilen und individuelle Kompetenz zu stärken. Frauen tendieren zu Kooperation, Wettkampf wird meist negativ gesehen, aber durch Sport können wir lernen, dass Wettkämpfe auch Spaß bereiten und produktiv sind.
Also, machen Sie mit, werden Sie aktiv und fit für eine neue Welt, die auch uns Frauen gehört! Wir müssen stolz sein auf unsere Stärke, und unsere Muskeln einsetzen auf dem Weg zu unseren Zielen! Lassen Sie uns spielen, trainieren und (wett)kämpfen, es steht viel auf dem Spiel, und wir können gewinnen: eine gendergerechte Zukunft!
Edit Schlaffer und das FoG-Team