23. Jänner 2006

Edit Schlaffer, Archana Kapoor und Flavia Agnes (v.l.n.r.) am "Walking into the Future – Female Strategies for Change" Podium aus Anlass des Internationalen Frauentages 2005 in Neu Delhi.

Eines der 8 Frauen ohne Grenzen Mädchenteams in Kigali beim Fußballtraining.
Ruandesische Mädchen bei einer Übung aus dem Frauen ohne Grenzen Trainingshandbuch.

Eine afghanische Frau mit ihrer Tochter in Nimruz.
Das Jahr 2005 war überwältigend für Frauen ohne Grenzen. Die Aktivitäten überschlugen sich und die Weichen für die Zukunft wurden gestellt.
Im Februar luden wir mit Unterstützung der Initiative Wider die Gewalt Neela Valli, die Direktorin von IWID (Initiatives Women in Development India) nach Wien ein. Bei der Nacht der Wiener Wirtschaft und einer Diskussion im Kreisky Forum zeigte sie die Lebenswelt der Menschen in der südindischen Küstenregion, die vom Tsunami stark betroffen war, auf und stellte eine innovative Projektidee, die den Fischerdörfern helfen und die Frauen stärken sollte, vor. Mit der Unterstützung des Bundesministeriums für Soziales, Generationen und Konsumentenschutz (BMSG) entstand aus diesem Besuch das einmalige Modellprojekt „Connecting Women and Children for Hope“ in zwei Fischerdörfern im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu .
Den Internationalen Frauentag feierten wir im vergangenen Jahr zum Thema „Walking into the Future – Female Strategies for Change“ in Indien. Aus Anlass des Internationalen Frauentags am 8. März 2005 organisierten Frauen ohne Grenzen mit Unterstützung der Österreichischen Botschaft Neu Delhi, Dr. Jutta Stefan-Bastl, eine Diskussionsrunde. Wir haben fünf Frauen, die starke weibliche Stimmen aus dem südostasiatischen Raum repräsentieren, eingeladen, um die weiblichen Strategien für eine Veränderung zu diskutieren.
Der Indien-Schwerpunkt wurde im Lauf des Jahres weiter ausgebaut mit der Entwicklung und dem Start von zwei weiteren Projekten:
„Die Zukunft in die eigene Hand nehmen“, ein Tsunami Rehabilitations- und Unterstützungsprojekt für Frauen ab 40, wurde in der Region Tamil Nadu gestartet. Jeden Monat werden in zwei Dörfern 25 Frauen trainiert – die ersten Gruppen lernten zum Beispiel die Herstellung von Hausdächern und Matten aus Kokosblättern bzw. -fasern.
„Frauen schwimmen in Richtung Eigenständigkeit“, ist eine einzigartiges Frauen Empowerment Projekt in Südindien. Mit Unterstützung des Bundeskanzleramtes/Sektion Sport, dem ÖSV, dem Österreichischen Jugendrotkreuz und dem Wasserrettungswesen organisieren wir in der ersten Februarwoche ein Pilot-Schwimmtraining für Frauen und Mädchen in Chennai and Mamallapuram.
Im Juni starteten wir das Projekt „Local/International Girls Parliament“ in 6 lateinamerikanischen und 3 europäischen Ländern. Dieses einmalige Modellprojekt wird vom URB-AL Netzwerk der EU finanziert. Im vergangenen Jahr wurde von Frauen ohne Grenzen das Manual für die Workshops, die ab März in allen 9 Gemeinden zweiwöchentlich stattfinden werden, entwickelt.
Außerdem wurde eine einmalige, interaktive Web-Plattform designt, die alle Mädchen aus allen Ländern auf einzigartige Weise miteinander verlinkt. Das erste internationale Seminar findet Ende Jänner in Graz statt – die Stadt Graz ist auch die offizielle Koordinatorin des gesamten Projekts.
Im selben Monat konnten wir mit Unterstützung des BMSG und des Österreichischen Sport zwei Mädchen-Empowerment-Projekte in Ruanda starten. “Girls: Fit for Leadership!” und “Kicken für die Versöhnung” wurden in einem Mädcheninternat von FAWE (Forum for African Women Educators) in Kigali, der Hauptstadt von Ruanda, realisiert. Im Rahmen dieser beiden Pilotprojekte wurde das neue Frauen ohne Grenzen Leadership-Trainings-Handbuch “Bee what you want to be!” entwickelt sowie acht Trainerinnen/ Mentorinnen ausgebildet.
Sportkleidung und die Fußballausrüstung für 160 Mädchen wurde zur Verfügung gestellt und 8 Teams wurden gegründet. Das Ziel dieser Leadership und Sport Empowerment Programme in Ruanda ist es, Trauma-Heilung durch Team-Übungen und durch Sport zu fördern.
Ebenfalls im Juni entstand eine ausführliche wissenschaftliche Dokumentation unseres seit 2003 erfolgreich laufenden „Frauen- und Kulturzentrums“ in Nimruz, Afghanistan. Sie können den Report (auf Deutsch) kostenlos downloaden.
Eine Reportage aus Nimruz finden Sie unter.
Wir freuen uns sehr, dass die Förderung dieses Projekts auch im Jahr 2006 sichergestellt ist und danken dem BMSG für diesen wichtigen Beitrag!
Und die Frauen ohne Grenzen Aktivitäten in Afghanistan gingen weiter: Das „Our Country My Role“ Handbuch, das im Rahmen des Projekts „Empowerment von afghanischen Frauen für afghanische Frauen“ (gefördert durch das Bundesministerium für Auswärtige Angelegenheiten) im Jahr 2004 als Unterlage für politische Empowerment-Workshops für afghanische Frauen entwickelt wurde, wurde im Herbst 2005 auf Anfrage und mit Unterstützung des UNFPA neu aufgelegt und zusätzlich auf Paschtu, die zweite Amtssprache neben Dari, übersetzt. Durch diese spannende Kooperation wird das Handbuch, das überall begeistert aufgenommen wird, seine Kreise ziehen: 10.000 Kopien werden gedruckt und mithilfe von lokalen Netzwerken von UN Agenturen, internationalen Regierungsorganisationen und Nichtregierungsorganisationen sowie freiwilligen HelferInnen im ganzen Land verteilt.
In Bagdad konnten wir in Kooperation mit Manal Omar/ Women for Women International im Rahmen des Projekts „Jugendliche zwischen Horror und Hoffnung“, gefördert vom BMSG, eine Umfrage unter Jugendlichen, Eltern und LehrerInnen in Bagdad zur Situation von Jugendlichen im „Neuen Irak“ durchführen. Die Ergebnisse zeigten, dass trotz einer großen Unsicherheit und eines völligen Mangels and Perspektiven und Orientierung der Optimismus für die Zukunft überwiegt.
Frauen ohne Grenzen sind nun gerade dabei, auf Basis der Umfrage ein einzigartiges Workshop-Programm für die Arbeit mit Jugendlichen als After-School-Clubs im Irak auszuarbeiten. Noch im Jänner wird ein Train-the-Trainer Workshop mit neun MultiplikatorInnen aus dem Irak im Rogner Bad Blumau stattfinden.
Und das Jahr 2006 hat sehr erfolgreich begonnen. Wir freuen uns auf ein weiteres, spannendes und kraftvolles Jahr!
Das Frauen ohne Grenzen Team