23. Jänner 2006

Jenny Lind Elmaco (2. von rechts) mit jungen Kambodschanerinnen.

Das erste kamboschanische Mädchen-Fußballteam.

Die Turnerin Chum und die Volleyballspielerin Yiv.

Das Mädchen-Fußballteam vor dem Turnier. Die Trainer geben letzte Instruktionen.
Das Frauen ohne Grenzen Teammitglied Jenny Lind D. Elmaco hatte im Zuge ihrer Reise nach Südostasien die Chance, fünf fantastische junge kambodschanische Sportlerinnen kennen zu lernen und mit ihnen über ihre Ziele, Hoffnungen und Probleme zu sprechen.
In Kambodscha, Heimat der wunderschönen und großen Tempelruinen von Angkor Wat, der bezaubernden Irrawaddy Delphine, des historischen Mekong River und Hunderten buddhistischen Kirchen und Schreinen, leben 13,1 Millionen Menschen, deren Geschichte auf einen Staat namens Funan zurückgeht.
Kambodscha hat unglaubliche Kulturgüter, die Leute sind freundlich und warmherzig und die Landschaft ist wild und ungezähmt. Umgeben ist das Land von Laos, Thailand und Vietnam.
Das, was wahrscheinlich die meisten Menschen mit diesem stolzen Land verbinden, ist Pol Pots „Regierung des Terrors“ im Jahr 1975. Das „Demokratische Kampuchea“ unter seiner tyrannischen Herrschaft forderte geschätzte 1,7 Millionen Todesopfer. Im Genozid-Museum in Toul Sleng sind Geschichten und Bilder der Opfer des Massengenozids aufgezeichnet. Viele der Opfer waren Frauen und kleine Mädchen, oft nicht älter als 4 Jahre alt.
Heute ist Kambodscha eine konstitutionelle Monarchie mit einer florierenden Wirtschaft und einem gut funktionierenden politischen System. Innerhalb der sozialen Ordnung des Landes haben Frauen einen niedrigeren Status als Männer.
Aber, laut World Bank Berichten sind Geschlechterbeziehungen in Kambodscha momentan enorm im Umbruch begriffen. Während die kulturell geprägten Verhaltensnormen, die Chba´p, die Frauen in die Häuser zurückdrängen, tun sich durch die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Entwicklungen neue Möglichkeiten auf.
Und nachdem die Kambodschanerinnen diese Möglichkeiten annehmen, werden sie ein immer wichtigerer Teil in der Wirtschaft und im sozialen Leben.
In den Gesprächen mit jungen Kambodschanerinnen habe ich erkannt, dass einer der besten Wege, um Frauen in diesem Land zu empowern, der Weg des Sports ist. Jahrhunderte lang war Sport eine reine Männerdomäne, aber heute haben die Frauen sogar in diesem kleinen Südostasiatischen Land ihre Spuren hinterlassen und gezeigt, was für unglaubliche Fähigkeiten in ihnen stecken.
Ich hatte glücklicherweise die Gelegenheit, mit fünf beeindruckenden jungen Frauen zu sprechen; sie verändern ihr Land, sie zeigen, dass Frauen professionell Sport betreiben können:
Chuma Rathtanak (20 Jahre), Turnerin
Yiv Molika (16 Jahre) und Ngoun Chanboramoy (17 Jahre), Fußballerinnen
Kim Dararoth (20 Jahre), Weitsrpingerin und
Soth Srey Leak (16 Jahre), Hürdenläuferin
Lesen Sie hier ein paar Auszüge aus unseren Gesprächen:
FoG: Warum hast Du Dich entschlossen, Sportlerin zu werden?
Chum: Meine Mutter mag Sport und ich auch. Vor allem diese Sportart, Sportgymnastik, die sehr schwer zu lernen ist. Ich glaube, das ist die beste Sportart, die man lernen kann, weil es die beste Sportart ist, um Flexibilität und Beweglichkeit zu zeigen.
Yiv: Im Fußball sind wir Pionierinnen. Wir haben erst vor 6 Monaten zu spielen begonnen. Ich habe wirklich Freude an diesem Sport und außerdem kann ich mit meinen Freundinnen gemeinsam spielen.
FoG: Was hast durch Deine Sportart gelernt?
Ngoun: Während einem Wettkampf bin ich sehr glücklich und aufgeregt. Ich lerne mehr FreundInnen auch aus anderen Teilen des Landes kennen, aus den 24 Provinzen von Kambodscha.
Soth: Ich habe einen starken Körper entwickelt. Außerdem bin ich so wirklich weg von Drogen und vom sogenannten „Schwarzmarkt“. Die „Bad guys“ versuchen immer wieder mich dazu zu überreden, bei ihnen mitzumachen. Das Gute ist, wenn ich mit dem Sport beschäftigt bin, kann ich schlechte Dinge vermeiden.
FoG: Was waren die größten Herausforderungen, die der Sport mit sich gebracht hat?
Yiv: Oft fehlt es an Unterstützung. Während ich trainiere habe ich oft das Gefühl, dass die Trainerin gar nicht aufpasst. Manchmal stimmt mich das ziemlich hoffnungslos. Aber ich liebe mein Team und ich will aus Kambodscha ein stolzes Land machen.
Kim: Ich habe oft keine Zeit für mich selbst. Nach dem Training bin ich recht müde. Aber ich will wirklich eine Gewinnerin sein; wenn ich gewinne, dann ist meine Familie sehr glücklich.
Ngoun: Es gibt wenig Unterstützung von der Regierung, vor allem von demjenigen, der für Fußball zuständig ist. Dann gibt es zu wenig Ausrüstung. Und auch das Geld das ich bekomme (Stipendium) reicht nicht aus, um mich selbst über Wasser zu halten. Die technische Expertise fehlt, die Trainerin kennt die Regeln und Bestimmungen nicht sehr gut. Aber ich will nicht aus dem Team aussteigen, unsere Freundschaft ist sehr stark.
FoG: Was möchtest du den jungen Frauen aus Kambodscha und dem Rest der Welt mitteilen, vor allem jenen, die auch Sportlerinnen werden wollen?
Yiv: Die jungen Frauen in Kambodscha sollten es schaffen, dass das Wort Gender nicht mehr mit Sport verbunden ist. Ich meine damit auch generell die traditionelle kambodschanische Lebensart, dass Frauen nur zu Hause bleiben. Wir sollten zeigen dass Frauen sehr stark sein können – wir können sogar in ein anderes Land gehen und den Meistertitel mit nach Hause nehmen. Wir sollten uns selbst fördern.
Kim: Kambodscha fördert Sport zwar, aber das ist lange noch nicht genug. Wir jungen Frauen müssen das zusammen fördern. Wir müssen gewinnen. Wir müssen unser Land international promoten, vor allem jetzt, wo Kambodscha noch immer kein Mächen/Frauen - Sportteam hat.
Ngoun: Fürchtet Euch nicht davor, so muskulöse Arme und große Hände wie ein Mann zu haben. Macht Sport aus einem anderen Grund: für die Gesundheit, für das Wohlbefinden, für Euch selbst!
Das ist eine Aufforderung an alle Frauen, sich die weisen Worte dieser jungen Frauen, die den Mut hatten, die Wahrheit auszusprechen, anzuhören.
Trotz dieser Hürden träumen diese Mädchen große Träume und glauben daran, dass sie die Kraft haben, ihre Träume auch wahr werden zu lassen. Sie sind Kämpferinnen.
Nach diesen Interviews war ich dazu eingeladen, beim ersten Mädchenfußballturnier des Landes dabei zu sein. Ich habe gesehen, wie begeistert und engagiert die jungen Frauen sind und ich habe auch mitbekommen, wie schlecht ihre Ausrüstung ist. So hat sich Frauen ohne Grenzen dazu entschlossen, neue Fußbälle für das kambodschanische Frauenfußballteam zu sponsern, die ich gleich vor Ort übergeben konnten.
Wir hoffen, die Bälle sind eine Inspiration für junge Frauen, Sport zu betreiben und damit zu dem Wandel beizutragen, den Umbruch herbeizuführen, den sie sich so wünschen.