06. Dezember 2005
"Wir konnten 50 Jahre lang zusammen leben, warum jetzt nicht mehr? Egal wie schlimm der Beschuss war, auch wenn wir Serben waren und der Beschuss von serbischer Seite ausging, wir waren nicht unterdrückt. Das, was passiert ist, hatte nie etwas mit Ethnizität oder Religion zu tun. Das ist eine erfundene Ausrede der Politiker, die den Krieg begonnen haben. Ich habe mich selbst gefragt „was ist passiert?“ BosnierInnen sind gute Menschen. Aber wir hatten keine demokratische Tradition und wir haben nie gelernt, unabhängig und eigenständig zu denken. Als dann irgendwann ein paar Idioten kamen, konnten sie die Bevölkerung ganz leicht manipulieren. Massen sind einfach nur dumm. Hitler war ein Genie in Massenmanipulation. Viele dieser verrückten Politiker waren Psychiater und haben vielleicht ganz genau gewusst, wie sie die Menschen beeinflussen können. Die Berichterstattung in den Medien war sehr bruchstückhaft, wir haben nie alles gesehen."
Alenka Savic im Gespräch mit Swanee Hunt, Autorin von „Das war nicht unser Krieg: Bosnische Frauen fordern Frieden.“
Die ehemalige US-Botschafterin in Österreich, Swanee Hunt, war Anfang November zu Gast in Wien und stellte im Rahmen einer Frauen ohne Grenzen Veranstaltung ihr Buch „Das war nicht unser Krieg: Bosnische Frauen fordern Frieden“ vor. Swanee Hunt war vier Jahre lang in Wien und in ihrer Funktion als Botschafterin veranstaltete sie zahlreiche internationale Symposien und Verhandlungen, um den Friedensprozess am Balkan zu unterstützen. Hunt reiste viele Male in die Balkanstaaten, brachte führende Frauen nach Wien und baute ein großes Kontaktnetzwerk in der Region auf. Ihr Artikel „Vital Voices: Women in Democracy“ in Foreign Affairs im Juli 1979 zeichnete sie endgültig als Spezialistin für die Rolle von Frauen im post-kommunistischen Europa aus.
Swanee Hunts Buch ist ein Werk, das mit viel Liebe gestaltet wurde und entstand aus dem Wunsch heraus, den Stimmen der Frauen am Balkan Gehör zu verschaffen.
Im Buch werden ganz unterschiedliche Frauen vorgestellt; sie sprechen über den Krieg im ehemaligen Jugoslawien und ihre Bemühungen, das leidgeprüfte und geteilte Land zu heilen.
Lesen Sie ein paar Zitate von Swanee Hunts Buchpräsentation am 3. November in Wien:
Ich habe die Stimmen der bosnischen Frauen in die Welt getragen. Aber nicht als Opfer. Ich habe es geschafft, 26 Frauen zusammenzubringen. Ich versammelte sie aber nicht alle auf einmal, sondern ich ging zu jeder einzelnen und sprach mit ihr. Sie sind alle ganz unterschiedlich: Musliminnen, Kroatinnen, Katholikinnen, Jüdinnen, Orthodoxe, Atheistinnen. Sie leben in ganz verschiedenen Teilen des Landes, kommen aus unterschiedlichsten Verhältnissen – von Reichtum bis hin zum Besitz von ein paar Hühnern.
Mein Ziel war es, dass diese Frauen darüber sprechen, was sie nach dem Krieg gemacht haben, wie sie versuchen, Frieden zu schließen. Ich habe jede Frau über mehrere Jahre hinweg so zwischen vier und fünf Stunden interviewt, habe das, was sie gesagt haben auseinandergenommen und nach neuen Themen gesucht. Das Buch ist nach diesen Themen aufgebaut.
Ich möchte aber sagen, dass ich nicht über alle Frauen sprechen werde, genauso wie ich nicht über alle Männer spreche. Ich weiß ganz genau, dass es wirklich großartige Männer gibt, Männer, die keine Krieger sind. Aber wir sprechen hier von Gruppen und es gibt eine Reihe von sozialwissenschaftlichen Untersuchungen, die belegen, dass Frauen mehr auf Kooperation setzen, dass sie mehr miteinander in Kontakt treten wollen. Und ich glaube, das ist in Zeiten wie diesen sehr wichtig und wahr. Frauen brauchen Freundschaften. Wir sind sehr gut darin, Freundschaften aufzubauen. Frauen sind viel stärker, wenn sie von einer Gruppe unterstützt werden, das ist unglaublich wichtig. Und Männer tendieren eher dazu, sich selbst voranzutreiben, ein Ziel zu erreichen, sie agieren viel unabhängiger.
Ich weiß nicht, ob das hormonell bedingt ist. Ich weiß auch nicht, ob das alles von der Sozialisation abhängig ist. Ich weiß nicht, ob das alles auf das Gehirn zurückzuführen ist. Und wenn ich ehrlich bin, ich achte auch nicht darauf.
Es ist viel wichtiger darauf zu achten, wen man über den Tisch zerrt, um einen Friedensvertrag abzuschließen. Denn wenn du nur die Krieger zusammenbringst, bringst du nicht die Leute, die es schaffen, Frieden zu schließen. Du versammelst lediglich jene, die bewiesen haben, dass sie Menschen töten können.
Für die Frauen, die im Buch vorgestellt werden, war der Krieg am Balkan nicht ihr Krieg. Und Swanee Hunt besteht darauf, dass genau das der Grund ist, warum Frauen am Friedensprozess beteiligt sein sollen.
Swanee Hunt's Buch "This Was Not Our War" (auf Englisch) kann im Frauen ohne Grenzen Büro um € 20 bestellt werden. Bei Interesse, senden Sie bitte eine Email an office@frauen-ohne-grenzen.org">office@frauen-ohne-grenzen.org.