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04. Juli 2009

Präsidenten, Patriarchen und Friedensradler: „SELIG DIE FRIEDENSSTIFTER........“

Eine Friedensradfahrt von Wien nach Jerusalem. Eindrücke von Werner Ertel

Tief bewegt von der „Friedensrede“ des US-Präsidenten Barack Obama in der Universität Kairo möchte ich in meinem Resümee unserer Friedensradfahrt Wien-Jerusalem an seine Schlussworte anknüpfen. Obama zitierte sowohl die Thora als auch den Heiligen Koran und die Bibel, die alle die Friedensstifter preisen und sie – wie in der Bergpredigt der Bibel – sogar als „Söhne Gottes“ bezeichnen.

Ähnliche Worte fand der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. am 29.April bei einer Audienz für uns achtzehn Friedensradler aus Österreich in Istanbul: „Wir schätzen eure Initiative sehr, eure symbolische Initiative.....denn eure Friedensbotschaft erreicht viele Menschen, am Balkan, den ihr schon durchquert habt, jetzt das türkische Volk, dann die Israelis. Das soll geschätzt werden, weithin wahrgenommen und richtig interpretiert werden. In allen orthodoxen Kirchen beten wir immer für die Einheit der Christen und für den Frieden in der Welt. Aber das Wichtigste ist, dass unser Herr Jesus Christus selbst gesagt hat, die Friedensstifter sollen Söhne Gottes genannt werden – das ist ein großes Privileg, und dieses Privileg gebührt auch euch, denn ihr arbeitet an der Ausbreitung der Friedensbotschaft“.

Unsere „Arbeit“ bestand darin, dass wir 3.712km und 23.118 Höhenmeter von Wien nach Jerusalem radelten und unser Anliegen immer wieder auf den eigens dafür entworfenen weißen Friedenspoloshirts sichtbar nach außen trugen. Darauf sind die Worte für „Frieden“ sternförmig in den acht Sprachen jener Länder angeordnet, die wir am Weg nach Jerusalem durchradelten.
In Kroatien und Serbien trafen wir mit Gruppen für Frieden und Gewaltlosigkeit zusammen, die seit dem Balkankrieg bestehen. Diese Begegnungen hatte dankenswerterweise Pete Hämmerle vom Internationalen Versöhnungsbund in Wien arrangiert.

Von Anfang an waren wir Friedensradler um „Äquidistanz“ Juden – Christen – Muslime bemüht. Und so sangen wir jüdische Friedenslieder in Synagogen, hatten persönliche Begegnungen mit Muftis in der Türkei, beteten am Grab von Rumi, des islamischen Sufi in Konya, gedachten des christlichen Völkerapostels Paulus in Tarsus, Antakya und Damaskus, reihten uns in die Schar der Gläubigen zum Mittagsgebet in der Omajadenmoschee, steckten unsere Friedensbotschaft in die Ritzen der Klagemauer am Tempelberg Jerusalems.
Daß uns in Israel die Militärs nicht durchs Westjordanland zu palästinensischen Familien in Nablus radeln ließen, war der erste spürbare Gegenwind für unser Anliegen.
In Jerusalem selbst sprach Jeremy, einer der „Rabbiner für den Frieden“, zu uns im Österreichischen Hospiz und gab sich überzeugt, dass ein rein jüdischer Staat in Israel – wie ihn viele, vor allem die Ultrareligiösen anstrebten - seiner Meinung nach falsch, unmöglich und dem Anliegen des Friedens in Nahost diametral entgegengesetzt sei. Das Land müsse für alle offen sein, die darin lebten.
In Bethlehem öffneten uns Gruppen für Gewaltlosigkeit und Versöhnung unter den Palästinensern die Augen für ihr Leid und ihre Unterdrückung.

Der „Jerusalem-Tag“ am 21.Mai – Gedenken an die Eroberung Ostjerusalems durch die Israelis im Krieg von 1967 – ließ Hunderte, Tausende Jugendliche Juden in der Altstadt fahnenschwingend Parolen skandieren: „Tod den Arabern“ und „Nieder mit den Arabern“. Ein Jugendlicher sagte mir in aggressivem Ton angesichts des Schriftzugs „Salam“ in arabischen Buchstaben auf meinem Friedenspoloshirt: „Frieden mit den Arabern? Niemals!“.

Genau das will aber jetzt Barack Obama mit seiner Rede in der Universität Kairo erreichen: Frieden zwischen Israel und den Palästinensern in einer Zwei-Staaten-Lösung, Frieden zwischen Israel und der gesamten arabischen Welt. Ein von den USA energisch eingeforderter Baustop israelischer Siedlungen im besetzten Westjordanland ist der erste Schritt dazu.

Für diese Ziele sind wir achtzehn Österreicher – drei Frauen, 15 Männer – 40 Tage lang auf unseren Drahteseln bei jedem Wetter von Wien nach Jerusalem unterwegs gewesen: für den Frieden in Nahost und dafür, dass sich Juden, Christen und Muslime darauf besinnen, dass es der Eine Gott Abrahams, Isaaks, Jakobs und Ismails ist, zu dem sie alle beten, den sie verehren.
Barack Obama nannte – in freier Rede - die Religionsfreiheit eines seiner Anliegen, gerade unter Juden, Christen und Muslimen.

Vielleicht war unsere Friedensradfahrt Wien – Jerusalem ein kleines Mosaiksteinchen auf dem Weg zu einem dauerhaften Frieden in Nahost, wie er jetzt vom amerikanischen Präsidenten energisch verwirklicht zu werden verspricht. Ein ganz kleines Steinchen.
Ganz sicher haben wir achtzehn ÖsterreicherInnen sechs Wochen lang um den Frieden in unseren eigenen Reihen und in uns selbst gerungen. Wo sonst sollte der Frieden beginnen, wenn nicht in uns selbst? Gute Einübungen in diesen Frieden waren das alltägliche Aufeinander-Warten, das Miteinander-Essen, das Einander-Beistehen bei Stürzen oder „Patschen“.

Kaum einer hätte sich diesen Weg alleine zugetraut. Und nur wenige von uns hatten sich vorher schon bei Trainingsetappen von 100km – 160km bewähren können. Aber in der Gruppe, dieser kleinen, manchmal zerstrittenen aber verschworenen Gemeinschaft, schafften wir es alle.

Mit dem Frieden in Nahost wird es ähnlich sein. Einer alleine kann ihn nicht bringen. Aber viele Nationen in West und Ost, Nord und Süd, viele Friedenswillige und Gewaltlose auf seiten der Palästinenser ebenso wie der Israelis, viele „Menschen guten Willens“ können das Wunder vollbringen. Im Vertrauen auf den Einen Gott Abrahams, Isaaks, Jakobs und Ismails.

Werner Ertel
Friedensradfahrt Wien - Jerusalem

 
 

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