
01. Oktober 2008
Ein "Seitenblick" von Edit Schlaffer (Die Furche, 22.9.2008)
Fit mach mit!, das scheint die Devise unserer aktuellen Politik zu sein. Es wird schon wieder zum Angriff auf die Wahlurnen geblasen. Beim Volk kommt Langeweile auf, die Meinungsforschungsinstitute malen das Gespenst der Politikverdrossenheit und Demokratiemüdigkeit an die Wand, dabei ist dieser Wahlkampf doch sehr aufregend: die langweiligen „mächtige Männer streicheln kleine Kinder“ – Fotos zieren diesmal nicht die Plakatständer, sondern Heimat- und Abwehrparolen gegen Überfremdung und Bedrohung durch Zuwanderung.
Die Wahlumworbenen können sich entscheiden: für ein Klima der Angst, unser Österreich bevölkert von ungebildeten, unqualifizierten meist muslimischen MigrantInnen und daher als zukünftige Pensionsvorsorgende unbrauchbar. Oder: für die schöne neue Welt der Chancengleichheit für Frauen, die mit uralt-Slogans heraufbeschworen wird und in der die wenigen, daher umso wertvolleren Kinder in gratis Versorgungseinrichtungen möglichst von der Stunde null betreut werden sollen.
Den Wiener Wahlkampf entscheiden die Frauen. Und dieser Wahlkampf kostet allein in Wien 700.000 Euro. Genau diese 700.000 Euro werden nicht zur Verfügung stehen, wenn die (jungen) Frauen, die den Sprung in die Mutterschaft gewagt haben, möglichst schnell wieder in den Arbeitsprozess zurück müssen und wollen.
Nach den Wahlen wird das Kurzzeitgedächtnis der Politstrategen wieder mobilisiert, die heraufbeschworenen Bedrohungen und anvisierten Verlockungen in den Panzerschränken der Parteilzentralen für den nächsten Wahlkampf sichergestellt.
Frauen, das lernbegierige Geschlecht, sollten weniger auf Verdrängung und mehr auf Erkenntnis setzen: Patriarchat bedeutet Männerherrschaft. Und dann nützt es gar nichts, dass etwa 270.000 mehr Frauen als Männer wählen. Das Parlament ist eine feste Männerburg, von den 183 Abgeordneten sind nur 58 Frauen. Und warum lassen sich Frauen das gefallen? Weil es nicht allen Frauen schlecht geht, wenn Männer herrschen.
Und es herrschen nicht alles Männer, sondern nur einige, und diese bevorzugen aber ihre Geschlechtsgenossen, denn so ist eben die Welt des Patriarchats organisiert.