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24. Juli 2008

Schluss mit Frauenministerien

Ein "Seitenblick" von Edit Schlaffer (Die Furche, 24. Juli 2008)

Österreich wählt. Schon wieder. Eine lästige Pflichtübung mit einem voraussehbaren Ergebnis – dem Gleichgewicht der Kraftlosen.
Links und rechts sind nur mehr als Schattierungen der Irrelevanz wahrnehmbar. Der Wahlkampf wird nicht zur Glaubwürdigkeit der PolitakteurInnen, sondern eher zur Ermüdung des bereits über die Maßen strapazierten Wahlvolks beitragen.

Was wäre, wenn Frauen diesmal mehr als eine Wahl-Stimme hätten? Was wäre, wenn die Anliegen, die „unsere“ Welt bewegen, ein Thema wären? Den Frauen sind diese Themen ein brennendes Anliegen, von ungleicher Bezahlung bis zu ungleicher Behandlung bei gleicher Qualifikation dehnt sich das Spektrum der unwirtschaftlichen Auslassung des weiblichen Talentpotentials.
Dieses Gedankenspiel hat eine Schwachstelle: die mangelnde Strategie-Kompetenz, oder milder, die mangelnde Macht-Bereitschaft von Frauen. Auf der Ebene des politischen Handelns werden Frauen nur vorankommen, wenn sie kooperativ und geschlossen handeln.
Die akute Konfliktlandschaft bietet den Frauen mehr Bewegungsfreiheit und Effektivität als ihnen bewusst ist, indem sie die Schwachstellen der männlichen Ordnung studieren und die relevanten Punkte finden, wo sie die wichtigsten Anliegen, die uns alle bewegen, einbringen können. Und das ist wahrscheinlich gar nicht so schwer, denn die männliche Macht existiert schon so lange, dass sie eine ganze Reihe von ineffizienten Charakteristiken entwickelt hat.

Schluss mit Frauenministerien, die in den letzten Jahren Ideen-, Inhalts- und Budget-freie Zonen waren. Die Hälfte der Macht der Hälfte der Bevölkerung. Wir brauchen eine kritische Masse von Frauen, die funktional und jenseits ritualisierter Gewohnheiten und polit-barocker Formen an Probleme herangehen: frisch, pragmatisch und direkt. Es liegt an den Frauen, gebildet und tüchtig wie noch nie, ihre Route sorgfältig zu programmieren. Die umstrittene Textzeile in unserer Hymne, „Heimat bist du großer Söhne“ wird dann plausibel auf „starke Frauen hat das Land“ erweitert, ohne dass die Republik aus dem Takt gerät.

 
 

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