
25. Juli 2008


Ergebnisse unserer Studie in Saudi Arabien, Jordanien und den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Unsere Studie umfasst insgesamt 7.474 Fragebögen von männlichen und weiblichen Studenten führender Universitäten in Jordanien, Saudi Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (UAE), Interviews mit Alumni, ExpertInnen und Eltern.
Die Datenerhebung in Saudi Arabien war eine große Herausforderung, da das Königreich noch nahezu unbekanntes Territorium für westliche Forschungsteams ist.
Die Datenanalyse zeigt ein eindrucksvolles Panorama. Die befragten Studierenden sind kosmopolitisch, selbstsicher und optimistisch in Bezug auf die Veränderung der Geschlechterrollen. Familie ist vorrangig, Religion überaus geschätzt und Tradition respektiert.
Doch hinter den Kulissen ziehen dunkle Wolken auf: Die Arbeitswelt ist segregiert, auch die gebildeten Frauen sind weniger vorbereitet für den Jobeinsteig als ihre männlichen Kollegen, das macht ihren Kampf um einen Platz in der Arbeitswelt ideologisch und pragmatisch härter. Die Durchsetzung von Berufschancen für Frauen ist eine der dringlichsten Herausforderungen, mit der sich die Geschlechter getrennte Gesellschaft Saudi Arabiens konfrontiert sieht. 78% der Saudischen Studentinnen sehen eine erfolgreiche Karriere als Teil ihres Lebensplans; auf dem Hintergrund einer Gesellschaft mit rigiden Rollenwahrnehmungen und –zuweisungen bedeutet das eine kleine Revolution.
Die hohe Arbeitslosigkeit stellt ein ernsthaftes Problem dar, nicht nur in Bezug auf die Partizipation von Frauen, sondern hinsichtlich der inneren Stabilität des Landes. Nur 54% der Befragten erwarten, dass sie nach Studienabschluss einen Job finden.
Innerhalb weniger Jahrzehnte haben die Vereinigten Arabischen Emirate den Sprung von den Wüstenzelten in die Wolkenkratzer aus Stahl und Glas geschafft. 70% aller Befragten verbinden Macht heute nicht mehr mit Privilegien, die auf Geschlechts- zugehörigkeit basieren, sondern mit Bildung. Nur etwa 50% der Frauen finden uneingeschränkt, dass sich mehr Frauen für Führungspositionen bemühen sollten, bei den Männern sind es 25%. Der Traum der super Karriere ist mittlerweile geschlechtsneutral.
In Jordanien erwarten junge Frauen sehr viel von ihren weiblichen Rollenmodellen: Rund 40% sind absolut dafür, dass sich mehr Frauen um Führungspositionen bemühen sollen. Dem stimmen nur 25% der Männer zu.
Das Projekt bietet auch Strategien an, um das Ungleichgewicht zwischen der großen Zahl an gebildeten Frauen und der kleinen Gruppe, die den Weg ins öffentliche Leben schafft, zu korrigieren. Das eigens entwickelte „This is Me!“ Trainingshandbuch und die begleitenden Workshops für die persönliche und professionelle Positionierung von jungen weiblichen Uniabsolventinnen am Karrieremarkt im Nahen Osten sind ein direktes Ergebnis der Studie. Ziel ist es, die Absolventinnen zu aktiven, artikulierten und kritischen Denkerinnen zu ermutigen und für den Arbeitsmarkt fit zu machen. Arabische Frauen sind in Bewegung – in einer von oben nach unten und von unten nach oben Revolution. Der weibliche Bildungsboom wird das Gesicht des Nahen Ostens mit Sicherheit nachhaltig verändern und zum Entstehen einer dringend notwendigen Mittelschicht in der Region beitragen.
Das vom FWF – Der Wissenschaftsfonds geförderte Forschungsprojekt wurde im Zeitraum von Juni 2005 bis Dezember 2007 von Dr. Edit Schlaffer in Kooperation mit einem internationalen Team durchgeführt.