
17. Juni 2008
Dr. Wu Qing und Edit Schlaffer in Shanghai im Rahmen des "Women´s Forum Asia" im Mai 2008
Die chinesische Ausgabe des renommierten Deauville Forums für Global Meetings
Frauen ohne Grenzen war eingeladen, gemeinsam mit hunderten chinesischen Frauen eine weibliche Plattform für Zivilgesellschaft und globale Verständigung mit zu gestalten.
Das brennende Thema Wachstum und Nachhaltigkeit wurde unter dem Aspekt diskutiert, wie Frauen eine globale Balance schaffen können.
Zwei der beeindruckensden Gesprächspartner waren die energische chinesische Politikerin und Professorin Dr. Wu Qing, die sich für Frauen in ländlichen Gebieten einsetzt, und Dr. Rajendra K. Pachauri, Ökonom und Umweltwissenschaftler, der im Jahr 2007 gemeinsam mit Al Gore den Friedensnobelpreis erhielt. Lesen Sie nachfolgend Auszüge aus Ihren Statements:
Dr. Wu Qing, Cultural Development Centre for Rural Women, Peking
"Unser Motto heute lautet: “Vorsicht!”. Warum sollten wir uns über die ungleiche Verteilung der Güter und Rohstoffe weltweit Gedanken machen?
Es gibt eine Reihe von Gründen, warum wir beunruhigt sein sollten. Ich werde nur zwei erwähnen. Die Ungleichheit heute, im Jahr 2008, lässt sich mit der Situation 1928 vergleichen, dem Jahr vor der Weltwirtschaftskrise. Da sollte uns ein kalter Schauer über den Rücken laufen. Zweitens: Die ländliche Verarmung und besonders die Ungerechtigkeit kennen wir von der Zeit der französischen Revolution.
Mit anderen Worten: Die Ungleichverteilung von Gütern und Rohstoffen kann politische und soziale Instabilität und wirtschaftliche Krisen auslösen. Wachstum muss gleich verteilt sein, sonst verhilft es weder zu Stabilität noch zu Nachhaltigkeit."
Dr. Rajendra K. Pachauri, indischer Friedensnobelpreisträger 2007, Vorsitzender des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPPC)
"Die Landwirtschaft wird die Auswirkungen des Klimawandels besonders stark zu spüren bekommen. Mittlerweile haben wir ausreichend Datenmaterial, das beweist, dass die Ernteerträge aufgrund des Klimawandels zurückgehen. Wir wissen zum Beispiel, dass ein Anstieg der Temperatur um ein Grad zu einem Rückgang von 10% bei der Reisproduktion führen kann. In vielen Länden sind vor allem die Frauen vom Klimawandel betroffen. In Afrika zum Beispiel wird ein Großteil der landwirtschaftlichen Arbeit von Frauen ausgeführt; das Leben dieser Frauen wird auf jeden Fall nachhaltig beeinflusst werden.
Es ist wichtig, dass wir besonders in so genannten Entwicklungsländern in der Landwirtschaft auf erneuerbare Energien umstellen. So können wir auch neue Jobs und neue wirtschaftliche Tätigkeitsfelder schaffen.
Und diese Bewegung müssen die Frauen weltweit in die Hand nehmen. Mütter, Schwestern, Ehefrauen haben eine einmalige Position in der Gesellschaft; sie haben Einfluss und können dieses Denken an ihre Familienmitglieder und ihre sozialen Netzwerke weitergeben. Ich bin absolut überzeugt davon, dass die Frauen die Hauptbetroffenen der Auswirkungen des Klimawandels sein werden.
Wir müssen diesen Planeten schützen. Wir müssen das Klima dieser Erde stabilisieren. Und wir können das nur dann machen, wenn uns allen "ein Licht aufgeht"."