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18. März 2008

Prostitution, Politik und die Frau an seiner Seite

Gouverneur Eliot Spitzer, der mächtige Mann an der Spitze des Bundesstaates New York, macht weltweit Schlagzeilen. Das ist man gewöhnt von ihm.

Er ist bekannt geworden als der Sheriff der Wall Street, gefürchtet von führenden Banken und Investmentfonds. Jetzt ist aber die Angst in sein Leben gekrochen. Im November 2007 wurde er mit einer überwältigenden Mehrheit von 69% zum Gouverneur gewählt, ein Hoffnungsträger der Demokraten, der mit dem Versprechen antrat, „die Ethik im Capitol von Albany zu verändern“. Eliot Spitzer war bekannt als aggressiver Stratege und unerbittlicher Moralist. Ein weiteres Detail seiner Persönlichkeit hat ihn jetzt aber sein Amt und seine Integrität gekostet. Eliot Spitzer wurde enttarnt als „Client 9“ des exklusiven Prostituiertenrings Emperors Club VIP.

Eine FBI Routineabhöraktion zwischen Prostituierten und ihren Kunden zog den großen Fisch Elliot an Land. Brisante Details sickerten schnell durch, Spitzer soll sogar ein Konto bei diesem Club und bestimmte Vorlieben haben, die als „nicht sicher“ gelten. Insgesamt hatte er in den letzten 10 Jahren 80.000 Dollar für Sex ausgegeben und das zu einer Zeit als er noch als Staatsanwalt viel beachtete Kampagnen anführte, um Prostituiertenringe aufzudecken. Im Vorjahr hat der Staat New York das schärfste Anti-Prostitutionsgesetz der Vereinigten Staaten verabschiedet, das auch die Köpfe der Männer, die Sex kaufen, einfordert. Sein Erfinder Eliot Spitzer ist nun eines seiner ersten Opfer.

Auf seinen Mega-Alpha Drive vertrauend sahen ihn viele schon als möglichen demokratischen Präsidentschaftskandidaten. Aber nicht die Frage, was einen Mann dazu brachte, der alles hatte, alles zu riskieren, bewegt Amerikas Öffentlichkeit. Vielmehr löst der gemeinsame Auftritt mit seiner Frau Silda vor laufenden Kameras massive Reaktionen aus.
Spitzer verliest sein kurzes Sündenbekenntnis und seine an die Familie und die amerikanische Öffentlichkeit adressierte Entschuldigung. Neben ihm steht die elegante Silda mit tiefen Augenringen und einem leeren Gesichtsausdruck und heftet ihren Blick auf seine Textvorlage. Sie scheint mitzulesen, da sie wahrscheinlich ihren Ohren nicht traut. Sie war sicher auch die letzte, die erfahren hat, mit wem ihr Mann die Pausen zwischen den politischen Sitzungen in eleganten Hotelsuiten verbrachte, zu Stundenhonoraren, die sich zwischen 1.000 und 6.000 Dollar bewegten.

Silda Wall Spitzer hat offensichtlich die falsche Wahl getroffen, indem sie nicht auf ihre eigene Karriere als bereits erfolgreiche Anwältin setzte, sondern auf die des Aufsteigers Eliot. Er ist außer Kontrolle geraten und sie kann nun überlegen, ihr Havard Abschlusszeugnis wieder aus der Schublade zu holen und ein neues Leben zu starten. Das ist ihr privates Problem, aber die Tatsache, dass ein profilierter Politiker Konsument von Sexarbeiterinnen ist, hat eine Dimension jenseits der persönlichen Tragik.

Frauenhandel, Prostitution und Safe Sex stehen ganz oben auf der Agende internationaler Organisationen und sind Teil eines breiten Spektrums weiblicher Schattenarbeit. Wenn Silda also neben ihrem an seinem Testosteron gescheiterten Ehemann steht, scheint sie das alles nicht zu kümmern.
Öffentliches Lügen hat Konsequenzen, aber erstaunlicherweise herrschen im Privatleben andere Regeln: die Ehe ist ein Ausnahmezustand. Hillary Clintons umgehende Reaktion, eine mitfühlende Botschaft an die Familie Spitzer zu schicken, erstaunt in diesem Zusammenhang, und doch auch wieder nicht. Auch sie war einmal die Hauptfigur in der Komödie „Die Frau an seiner Seite“ und saß Händchen haltend mit dem untreuen, aber geständigen Bill nach dem Lewinsky-Sündenfall in den großen US-Talkshows.
Ihre Grußbotschaft hat sie allerdings vor Spitzers Rücktritt abgeschickt, zu dem Zeitpunkt wäre er noch eine sichere Super-Delegate Stimme gewesen. In der aktuellen Biographie über Hillary Clinton „A Women in Charge“ ist nachzulesen, sie ist bei ihrem Mann geblieben, weil sie ihn liebte und respektierte. Diese Gefühlsregungen scheinen auf den ersten Blick aber ziemlich einseitig angelegt zu sein bei den Bills und den Elliots.
Der aktuelle Stolperstein im Leben Elliot Spitzers heißt Kirsten Dupree. Mit ihr hatte Spitzer sein Rendevouz im Mayflower Hotel in Washington. Sie ist 22 Jahre alt und lebt heute in New York in einem Appartement, dessen Miete sie mit Monatsende vielleicht nicht mehr zahlen kann, weil sie sich gerade von ihrem Freund getrennt hat, als sie erfuhr, dass er während ihrer Beziehung zwei Kinder mit einer anderen Frau bekam. Sie ist mit 17 von zu daheim weggegangen, wo sie Misshandlungen erlebte, wurde später Drogenabhängig und obdachlos. Heute lebt sie für ihre Musik und von ihren sexuellen Dienstleistungen. In einem New York Times Interview sagt sie: „Ich möchte nicht als Monster gesehen werden. Ich bin durch einen schwierige Zeit gegangen.“

Es hat sich auch Dina McGreeve zu Wort gemeldet, die Ex des früheren Gouverneurs von New Jersey, der über eine Affäre mit einem Staatsangestellten gestolpert ist. Sie gratuliert Silda zu ihrem Entschluss, ihren Mann zu unterstützen, es sei das Beste für die Töchter.
Wäre nicht eine Mutter, die ein aufrichtiges Rollenmodell ist, die bessere Alternative zu einer fortgesetzten patriachalen Maskerade?

Bei einer Meinungsumfrage in den Straßen New Yorks sagte ein Passant: „Viagra ruiniert unsere Regierung.“ Wenn das stimmt, dann ist es höchste Zeit Platz zu machen für weibliche Talente und Taten und das Rollenmodell „Die Frau an seiner Seite“ in der Mottenkiste der Weltgeschichte zu verstauen.

Edit Schlaffer

 
 

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