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10. März 2008

Women´s centre Nimruz © FoG

Afghanistans Frauen: von Mut und Verzweiflung

Ein Kommentar von Edit Schlaffer (Kleine Zeitung, 8.3.2008)

Der internationale Frauentag ist der Zeitpunkt, an dem weltweit die Leistungen von mutigen Frauen gewürdigt werden, ihre Erfolge gefeiert und die Verletzung ihrer Menschenrechte angeprangert werden.
Die Frauen Afghanistans haben heute wenig Grund zum Feiern. Noch vor wenigen Jahren hat es anders ausgesehen. Sie haben den Begriff Widerstand und Untergrund auf eindrucksvolle Weise neu belebt. Sie haben gegen das übermächtige und brutale Regime der Taliban gekämpft, auf ihre Art, nicht mit Waffen, sondern mit Worten. Ganz durchschnittliche, meist analphabetische Frauen haben den Mut aufgebracht, sich gegen Unterdrückung und Unrecht aufzulehnen, sie ganz persönlich und unmittelbar zu bekämpfen.

Mit dem Einsatz ihrer Person sind sie gegen ein absolut frauenverachtendes fundamentalistisches Regime angetreten. Sie haben unter extremen Bedingungen trotz des Verbotes, Mädchen zu unterrichten, dafür gesorgt, dass diese Mädchen von mutigen Lehrerinnen in kleine Gruppen heimlich in privaten Häusern zusammenkommen konnten, um zu lernen. Ärztinnen und Hebammen, die aus den Spitälern geworfen wurden, weil Frauen ohnehin mehr keine gesundheitliche Versorgung erhalten sollten, haben in Untergrund-Netzwerken versucht, weiter zu machen.

Bildung ist unsere einzige Waffe, formulierte es Shala, eine der mutigen Aktivistinnen dieser Zeit. Frauen bildeten einen Frauenwiderstand, einen Frauenuntergrund gegen einen brutalen, repressiven Aggressor. Ihre Ausgangsposition war unglaublich: eine Alphabetisierungsrate von sieben Prozent, eine Kultur, die Frauen von Geburt an abwertet und entmutigt, ein Umfeld, das sie nicht nur massiv einschränkte, sondern zuließ, sie zu verfolgen, demütigen, zu schlagen, sogar zu töten.
Als die Nahrichten von den Übergriffen der Taliban auf die Frauen ihres Landes durchsickerten, bildete sich eine weltweite Frauenallianz. Politikerinnen im westen hielten Reden, Sängerinnen organisierten Benefizkonzerte, Journalistinnen schrieben Artikel, getragen von der Entschlossenheit, gemeinsam mit den afghanischen Frauen dem Terror-Regime den Kampf anzusagen. Rückblickend scheinen die Szenen in den Strassen Kabuls nach dem Abzug der Taliban symbolisch und zukunftweisend. Die Männer tanzten ausgelassen, welche Befreiung, denn Musik war verboten gewesen, sie ließen sich die von den Taliban verordneten langen Bärte umgehend abrasieren, während die Frauen unter dem Schutz ihrer Burkas das Treiben beobachteten. Viele von ihnen haben ihre Verhüllungen mit dem vergitterten Sehschlitz auch im freien Afghanistan weiterhin getragen. Aber vieles schien sich zum Besseren zu wenden, es wurden Schulen gebaut, Wahlen vorbereitet und umgehend ein Frauenministerium eingerichtet.

Und wie geht es den afghanischen Frauen heute?

Genau diese kritische Frage hat Malalai Joya, eine engagierte Parlamentarierin ihr Amt gekostet, es wurde ihr kürzlich sogar der Reisepass entzogen. In einem flammenden Artikel in einer englischen Tageszeitung appelliert sie an die Welt, Afghanistan und seine Frauen nicht zu vergessen. Im Vorjahr hätten sich so viele Frauen wie noch nie zuvor aus Verzweiflung umgebracht. Sie schreibt: „Frauen in Afghanistan sind verletzlich, ihr Sterben ist wie das Töten der Vögel“. Der Friede wurde nicht gewonnen, und dafür brauchen die afghanischen Frauen weiterhin ihre Alliierten weltweit.

 
 

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