04. März 2008



Organización Femenina Popular – OFP. Eine der aktivsten und durch den bewaffneten internen Konflikt auch gefährdetsten Frauenorganisationen Kolumbiens sucht weltweit FreundInnen und UnterstützerInnen.
Die Organisation
Die OFP, die international wohl bekannteste Frauenorganisation Kolumbiens, entstand 1972 in der Blütezeit der Befreiungstheologie in Lateinamerika, im Rahmen der Diözese Barrancabermeja, und hat sich 1988 als Organisation verselbständigt.
In dem südamerikanischen Staat herrscht seit Jahrzehnten ein bewaffneter Konflikt mit verschiedenen Akteuren: Auf der einen Seite Polizei und Militär und die von diesen aufgebauten paramilitärischen Gruppen, auf der anderen Seite die Guerilla – und dazwischen steht im Kreuzfeuer die Zivilbevölkerung und ihre Organisationen: Gewerkschaften, MenschenrechtsaktivistInnen, Vertretungen indigener Völker, Frauenorganisationen, soziale Bewegungen.
In Barrancabermeja, dem Zentrum der kolumbianischen Erdölindustrie, haben seit einigen Jahren die rechtsextremen paramilitärischen Gruppen doe Kontrolle über die Stadt errungen. Drei Mitarbeiterinnen der OFP wurden in dieser Zeit von den Paramilitärs ermordet, über 140 mit dem Tod bedroht. Sie mussten das Land verlassen oder in anderen Landesteilen untertauchen. Doch die Frauen der OFP gaben sich nicht geschlagen; sie haben ihre Präsenz sogar noch auf andere Regionen Kolumbiens ausgedehnt.
„Die Paramilitärs haben unsere Mitarbeiterinnen umgebracht, bedroht, vertrieben“, erzählt die Soziologin Yolanda Becerra, seit knapp zwei Jahrzehnten die Leiterin der Organisation, „aber eines haben sie nicht geschafft: die Hoffnung zu töten.“
Die Frauenbewegung ist in Kolumbien zugleich eine Friedensbewegung. Seit einigen Jahren baut die OFP zusammen mit dem Frauennetzwerk „Ruta Pacífica“ (Friedlicher Weg) eine landesweite „Soziale Bewegung von Frauen gegen den Krieg auf“.
Die Kampagne
Die OFP startete kürzlich eine nationale und internationale Solidaritätskampagne unter dem Namen „Eine Million Freundinnen und Freunde“ – eine Bezeichnung, die zugleich Ziel und Programm ist. Weltweit werden FreundInnen und UnterstützerInnen gesucht, die mit dem Unterzeichnen einer Unterstützungserklärung ihre Solidarität und ihre Wertschätzung für die Arbeit dieser kolumbianischen Frauenorganisation ausdrücken. Eine massive internationale Solidarität bedeutet für die OFP nicht nur eine wichtige moralische Unterstützung, sondern sie verstärkt auch ihre Position gegenüber der rechtsautoritären Regierung von Präsident Uribe Vélez, für die die systemkritische Haltung der OFP ein rotes Tuch ist. „Wir sind eine Bürgerbewegung von Frauen der Basis, die für eine Veränderung der Strukturen dieser Gesellschaft eintreten“, umreißt Yolanda Becerra das Ziel der Organisation.
Je mehr internationale Unterstützung und Aufmerksamkeit diese Frauenorganisation genießt, umso geschützter ist sie gegen Repressalien seitens der Regierung und der Paramilitärs.
Ein zweiter Aspekt dieser Kampagne ist es, durch einen geringen und freiwilligen Unterstützungsbetrag – ab fünf Euro jährlich – auch die finanzielle Autonomie der OFP zu stärken.
Die Kampagne „Eine Million Freundinnen und Freunde“ ist auf drei Jahre angelegt. In Österreich wird sie von der Katholischen Frauenbewegung und dem Verein Frauensolidarität – die beide die OFP schon lange unterstützen – sowie der Informationsgruppe Lateinamerika (IGLA) getragen.
Homepage der OFP: www.ofp.org.co
Der Aufruf
OFP – Organización Femenina Popular:
Kampagne Eine Million Freundinnen und Freunde weltweit
Die Frauen der OFP schrieben uns folgende Erklärung:
„Wir von der kolumbianischen Frauenorganisation ‚Organización Femenina Popular’ glauben, dass ein würdiges Leben möglich ist, auch wenn wir im Elend leben. Wir glauben an den Frieden, auch wenn wir seit mehr als 50 Jahren inmitten eines bewaffneten Konflikts leben. Wir glauben an die Gleichheit und das Glück unter Frauen, auch wenn der Machismo immer noch die herrschende Kultur ist.
Die solidarische Umarmung, die uns Tausende von Frauen und Männern selbstlos darbringen, ist für uns die Nahrung, um in unserem Kampf für ein würdiges Leben fortzufahren, um das von Krieg und Korruption zerrissene soziale Netz neu zu knüpfen, um Widerstand zu leisten zugunsten des Lebens, um die völlige Respektierung der Menschenrechte und einen dauerhaften Frieden zu erreichen.
Unsere Kampagne „Eine Million Freundinnen und Freunde“ ist eine der zahlreichen Strategien, die wir entworfen haben, um Freiheiten wie die soziale Organisierung, die Anprangerung von Unrecht, die Verteidigung der integralen Menschenrechte der Frauen möglich zu machen.
Ohne unsere Autonomie aufzugeben, rufen wir Frauen und Männer in der ganzen Welt auf, einen symbolischen und einen materiellen Beitrag zu leisten zur Umsetzung der politischen Aktionen der Frauen für das Leben, gegen den Krieg und die Militarisierung des zivilen Lebens, für eine politische Lösung des bewaffneten Konflikts, für den Aufbau des Friedens und die Stärkung unseres sozialen Rechtsstaates.
Wir Frauen in der Stadt Barrancabermeja, im Magdalena Medio, in Kolumbien wollen unseren organisatorischen und politischen Prozess für die Verteidigung des Lebens, der Würde und die volle Respektierung der Menschenrechte der Frauen fortsetzen.
Wir danken für Ihren / Euren Beitrag – er ist für unsere Arbeit von grundlegender Bedeutung.“
Die Unterstützungserklärung
Die Solidarisierung mit den Frauen der OFP hat folgenden Wortlaut:
„Ich, die Unterzeichnerin, der Unterzeichner dieses Aufrufes, erkläre, die Arbeit der OFP für ein menschenwürdiges Leben der Frauen in Kolumbien, gegen den Krieg und die Militarisierung des zivilen Lebens, für eine politische Lösung des bewaffneten Konflikts, für den Aufbau des Friedens und die Stärkung des sozialen Rechtsstaates voll zu unterstützen.“
Die Erklärung kann einfach und schnell unterstützt werden über www.frauensoldiaritaet.org.
Finanzielle Unterstützung für die OFP unter dem Kennwort „OFP-Kampagne“ auf Konto Nr. 9300 9458, BLZ 60 000 (IBAN 44 6000 0000 9300 9458, BIC OPSKATWW).
Auskünfte über werner.hoertner@oneworld.at