25. Februar 2008

Eine Debatte von Edit Schlaffer in der Kleinen Zeitung (23.2.2008)
Ganz Österreich ist ab sofort eine Integrationsplattform! Das war Minister Platters Ankündigung und Resümee anlässlich der Präsentation des Integrationsberichtes in Wien vor knapp zwei Wochen. Was genau könnte das bedeuten?
Der Minister hat jetzt wahrscheinlich andere Sorgen, aber das Thema ist am Tisch, und vor allem Strategien für positive und akzeptable Formen des Zusammenlebens der Kulturen werden europaweit bereits konzipiert und praktiziert. Davon können wir lernen. Von Hazel Blears beispielsweise, ehemals zuständig für Terrorbekämpfung, nun Ministerin für Community Affairs in England. Sie hat eine einzigartige Initiative gestartet, um die Integration auf effiziente Weise im Alltag voranzubringen. Ihre Zielgruppe sind die muslimischen Frauen, die im Zentrum der Familie und ihrer Gemeinschaften ermutigt und bestärkt werden sollen, eine aktive Rolle im Integrationsprozess zu spielen. Bei unserem Gespräch ist die Ministerin flankiert von zwei Beraterinnen, die beide ein Kopftuch tragen.
„Als ich vor 6 Monaten meinen Job antrat, wusste ich, dass ich umgehend quer durchs Land reisen muss, um den Frauen in den muslimischen Gemeinschaften zuzuhören. Das habe ich getan und ihre Beschwerden waren einleuchtend“.
Der Tenor ging immer in dieselbe Richtung: die Frauen waren frustriert, dass die Regierung meist mit einer sehr kleinen Gruppe von traditionellen, in der Regel männlichen Repräsentanten ihre Anliegen verhandelte.
Das englische Modell ist ein ausgezeichnet dotiertes Programm, das ein ganzes Spektrum von Maßnahmen umfasst: Selbstsicherheitstrainings für die Frauen, um argumentativ gerüstet zu sein, zu Hause und in der Öffentlichkeit. Sie sollen beispielsweise lernen, den Koran für ihre Rechte einzusetzen. Professionelle Motivationstrainings-Agenturen entwickeln spezifische Angebote, um Frauen auf allen Ebenen der Öffentlichkeit einzubinden. SchauspielerInnen konnten gewonnen werden, die mittels Rollenspielen mit den Müttern üben, wie sie ihre Kinder schützen können, wenn sie merken, dass sie in die Einflusssphäre von Extremisten geraten sind.
Junge Frauen lernen, wie sie sich konstruktiv und konsequent mit traditionellen Männern auseinandersetzen, die sie versuchen zu bevormunden oder sogar zu bedrohen. Diese Initiative ist ein langfristiger Prozess, sicher, aber sie bildet das Fundament für einen Dialog, in dem alle Betroffenen eine Stimme haben können, vor allem diejenigen, „über“ die meist verhandelt wird. Die moralische Autorität der muslimischen Frauen kann so genützt werden für eine positive Klimaveränderung innerhalb ihrer Gemeinschaft und im Dialog mit den Kulturen. Die schweigende Mehrheit, die moderaten Stimmen der Mitte, sie sollen so hörbar und sichtbar gemacht werden. Ein Experiment, wärmstens empfohlen für eine Adaption á la Austria.