

Ein "Seitenblick" von Edit Schlaffer (Die Furche, 5. Dezember 2007)
Der Welt-Aidstag ist vorbei, die Red Ribbons sind wieder bis zum nächsten Life Ball verstaut, aber 33 Millionen Menschen leben weltweit mit dem Virus, das absolut verhinderbar wäre. Es wird „die internationale Gemeinschaft“ aufgerufen, etwas zu tun: die Frage ist nur, wer ist damit genau gemeint und was soll eigentlich getan werden? Die Epidemiologin Elisabeth Pisani, hat eine klare Antwort: Die Käuferseite in der Sexindustrie ist männlich und übersteigt zahlenmäßig bei weitem die Zahl der Anbieterinnen. Die beste Verhütungsstrategie ist die gezielte Arbeit mit Männern. Thailand ist eine Erfolgsstory, die auf Männern aufbaut. Es wurde bereits 1990 eine Kampagne gestartet, die Männer nicht nur aufforderte, Kondome zu benutzen, sondern auch Druck ausübte. Bordellbesitzer wandten sich direkt an ihr männliches Klientel, denn mehr Männer mit Kondomen hatten weniger infizierte Sexarbeiterinnen zur Folge, weniger Sexabnehmer wurden krank und die Ehefrauen, mit denen die Kunden verheiratet waren, wurden ebenfalls nicht infiziert. Diese Kampagne hat zwischen 1990 und 2007 nach offiziellen Schätzungen 5,3 Millionen Neuinfektionen verhindert. Der interessante Punkt: im Gegensatz zu Mainstream-Kampagnen, die sich an Frauen richten, nicht ungeschützt Sex zu erlauben - ein schwieriges Unterfangen in patriachalen Beziehungen – war diese neue Strategie direkt an Männer adressiert. Und zwar an die Männer, die in der Szene die meiste Macht haben: Bordellbesitzer.
In Nigeria tragen junge JournalistInnen T-Shirts mit der Aufschrift „Echte Männer schützen Frauen vor HIV/Aids“.
Die Österreichische Stiftung für Weltbevölkerung ist ein lokaler Mosaikstein, der dieses neue Männerbewusstsein fördert. Und das ist kein Luxus, sondern eine Frage des Überlebens.
Dr. Edit Schlaffer schreibt einmal monatlich eine Kolumne für die Wochenzeitung Die Furche.