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10. September 2015

Edit Schlaffer Vaduz © Soroptimist Club Vaduz

Gruppenbild SoroptimistInnen Vaduz © Soroptimist Club Vaduz

"Fragiles Europa"

Edit Schlaffer am Rheintaltreffen des Soroptimist International Club Vaduz

Mit dem Aufruf, sich von der Gemütlichkeit weg dem Wehklagen der Welt zuzuwenden, lud der Soroptimist International Club Vaduz am 5. September zum Rheintaltreffen im Auditorium der Universität Liechtenstein ein.

Edit Schlaffer stellte unter dem Titel "Mütter als erste Linie der Verteidigung gegen Radikalisierung und Rekrutierung" das Frauen ohne Grenzen Mütterschulen Projekt vor. Gemeinsam mit den anderen Podiumsgästen Necla Kelek, Susanne Scholl, Vivien Gertsch und Elisabeth Wintrich-Geiter rief sie zum Handeln auf, zu mehr Solidarität und Nächstenliebe, um das "fragile Europa" wieder stabiler zu gestalten.

Die lokalen Tageszeitungen "Liechtensteiner Vaterland" und "Liechtensteiner Volksblatt" berichteten ausführlich über die gut besuchte und Veranstaltung. Sie finden die Artikel hier.

Unten stehend noch eine ausführliche Zusammenfassung der Veranstaltung, die uns der Soroptimist Club freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat:

SIE Club Vaduz
1. Vaduzer Symposium „Fragiles Europa“
Universität Liechtenstein

AM ZENIT DER ZEIT

Als Monika Studer, Präsidentin des SIE Club Vaduz, bereits im Frühling dieses Jahres ihre Gedanken auf das Thema eines fragilen Europas lenkte, wusste sie und wussten wir alle noch nicht, dass sich wenige Monate später die Frage nach der Stabilität Europas an Brisanz weit übertreffen wird.

Das bisher im Zweijahresrhythmus stattfindende regionale „Rheintaltreffen“ wurde 2015 in Form eines Symposiums durchgeführt, was einem Geniestreich gleichkam, denn damit thematisch dermaßen den Zeitgeist zu treffen und am Zenit der Zeit zu sein, gelingt selten. So fand am Samstag, dem 5. September das 1. Vaduzer Symposium in der Universität Liechtenstein statt, das das Thema „Fragiles Europa“ zum Inhalt hatte und an dem 53 Damen verschiedener SI-Clubs (Bad Ragaz, Chur, Dornbirn, Goldes, Graz Rubin, Kreuzlingen, Liechtenstein, Luzern, Rapperswil, Vaduz, Wien Donau und Zug) wie auch Privatpersonen Interesse zeigten. Sowohl in der Eröffnungsrede als auch bei ihren Dankesworten betonte Monika Studer, dass dieses Symposium ohne den guten Zusammenhalt und die Mithilfe aller SIE-Vaduz-Mitglieder in dieser Form nicht durchführbar gewesen wäre und hob das große Engagement ihrer Clubschwestern in dieser Sache hervor. Renata Trottmann, SIE President elect 2015-2017, bedankte sich beim SIE Club Vaduz für die Initiative, dieses Symposium möglich gemacht zu haben. SIE-Club-Vaduz-Mitglied Elisabeth Wintrich-Geiter begleitete das Symposium mit kompetenter Conference.

„Es ist an der Zeit, den Weg der Gemütlichkeit zu verlassen. Beginnen wir doch endlich damit, das Wehklagen der Welt, den inneren Aufschrei der Menschheit zu hören und vor allem sehr bewusst wahrzunehmen. 70 Jahre Friedenszeit lassen uns vermeintlich gut und sicher ruhen, doch an der Festung Europa wird kräftig gerüttelt. Der Islamische Staat blickt von Libyen aus mit Drohgebärden Richtung Rom. Die einst russischen Befreier wünschen sich Großrussland zurück und tagtäglich ertrinken Menschen im Mittelmeer, nur weil sie sich eine bessere Zukunft in Europa erhoffen und dafür jede Gefahr auf sich nehmen“, konnte man in der Einladung lesen. Vier Referentinnen nahmen zu diesen Themen Stellung. Edit Schlaffer, Friedenspreisträgerin von Soroptimist International Europa, österreichische Sozialwissenschaftlerin und Feministin (www.frauen-ohne-grenzen.org), referierte zu Beginn über „Mütter als erste Linie der Verteidigung gegen Radikalisierung und Rekrutierung“. Seit 9/11 sei die Welt in einer Unordnung und Terror stelle wieder eine weltweite Bedrohung dar. Der Islamische Staat befolge keine Regeln und es sei die Wachsamkeit und gute Beziehung zu ihren Kindern, die Mütter in eine wichtige Rolle dränge, um Radikalisierung und Rekrutierung zu verhindern, so Schlaffer. Vivien Gertsch, Rechtswissenschaftlerin, Pastpräsidentin des SIE Club Vaduz und Vizepräsidentin von Amnesty International Liechtenstein, sprach über „Europäische Werte – Werte in Europa“ und spannte einen historischen Werte-Bogen von der Frühzeit bis heute. Mit dem Vortrag „Putins neue Expansionspolitik“ beleuchtete Susanne Scholl, Journalistin, Schriftstellerin und Doyenne der Auslandskorrespondenten des ORF (www.susannescholl.at), eindrücklich die Nicht-Entwicklung von Leibeigenen in der russischen Agrarwirtschaft, da in den Sowchosen und Kolchosen die Bauern genauso abhängig waren wie zur Zarenzeit, erzählte von fehlenden Vätern, der Nation, die einen starken Mann an der Spitze brauche bis hin zur Eroberung der Krim und dem Krieg mit der Ukraine. Necla Kelek, Soziologin und Volkswirtschafterin, u.a. ständiges Mitglied der „Deutschen Islam Konferenz“, beendete das Symposium mit „Hurriya heißt Freiheit – der arabische Frühling und die Folgen für die Frauen“ und berichtete von ihren Reisen nach Ägypten, Tunesien, Marokko und in die Türkei. Wussten wir, dass 90% der ägyptischen Frauen beschnitten sind, dass es dem Staat Tunesien gelang, die Scharia aus den Gesetzen zu verbannen und Tunesien somit das fortschrittlichste unter all diesen Ländern ist? „Der Geist ist aus der Flasche“, meint Kelek und bezieht sich damit darauf, dass die Frauen dort nicht mehr aufhören werden, sich ein Mehr an Rechten und Freiheit zu erkämpfen.

Die vier unterschiedlichen Themen mit versteckten, aber nicht zu leugnenden, Hinweisen auf eine (eventuelle) neue Weltordnung können nicht von jetzt auf gleich verdaut werden. Das vier Stunden dauernde Symposium bedurfte der vollen Aufmerksamkeit, bot anregende Herausforderung zum Nachdenken und Reagieren zugleich. Ein großer Nachhall klingt da aus Liechtenstein nach Europa: „Aufmerksam machen, handeln, helfen“.

Ein Symposium mit gleichwertig brisanten Themen ist vom SIE Club Vaduz zukünftig jährlich vorgesehen und soll neben dem „Rheintaltreffen“ und dem „Deutschsprachigen Freundschaftstreffen“ institutionalisiert werden. Wir können uns bereits jetzt auf die zweite Auflage im nächsten Jahr freuen.

Eine DVD, die das Thema des ersten Symposiums „Fragiles Europa“ dokumentiert, kann über die SIE-Club-Vaduz-Websiteadresse www.soroptimist-vaduz.li bestellt werden.

Soroptimist International Club Vaduz –

der bunte Stein im Mosaik von Soroptimist International

©MML

 
 

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