Aktuell

02. Oktober 2008

Frauen ohne Grenzen mit Shadya Karume © Zayedesa

Das Frauen ohne Grenzen Team, die vier österreichischen Schwimmtrainerinnen und die First Lady von Sansibar, Shadya A. Karume in Stone Town/Sansibar
vorne, v.l.n.r.: Ulrich Kropiunigg, Shadya A.Karume, Edit Schlaffer
hinten, v.l.n.r.: Laura Kropiunigg, Eva Zagorz, Joe Hepworth, Elaine Hargrove, Elisabeth Szalay, Elisabeth Kasbauer, Elke Reicht, Hedi Weirer, Rafael Kropiunigg

Sansibar - Swimming Woman

Sansibar impression &;copy FoG

Tourismusministerin und E. Schlaffer&;copy FoG

Edit Schlaffer im GEspräch mit Sania Hassan, der Tourismusministerin von Sansibar

Seegraskooperative &;copy FoG

Sprung ins Wasser © FoG

Gruppe 1 Swim&Health © FoG

Eine Gruppe der Teilnehmerinnen am Schwimmtraining und Gesundheitsworkshop

Trust Übung © FoG

Teamshaping © FoG

StudentInnen des Teamshaping Workshops

Sylvia Strasser Filmteam © FoG

Die Filmemacherin Sylvia Strasser (Paolo Film) mit dem lokalen Filmteam in Sansibar

Sansibar - The Island of Change! Women Walking into the Future

Die Vision von Frauen ohne Grenzen: Sansibar als Modellbeispiel für Veränderung und gelungene Entwicklung zu etablieren.

Von 22. Juni bis 10 Juli reiste Frauen ohne Grenzen mit einem Team von ForscherInnen aus den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft und Psychologie nach Sansibar – eine kleine Insel im Indischen Ozean, eine halbe Flugstunde entfernt von Tansania.

Die Bevölkerung Sansibars ist zu 98% muslimisch, fast die Hälfte der EinwohnerInnen ist von Armut betroffen und lebt von etwa einem US-Dollar am Tag. Hohe Arbeitslosigkeit, geringe Ausbildungsmöglichkeiten und wenig Zukunftsperspektiven prägen den Alltag. Vor allem Frauen sind besonders benachteiligt; Schuldbildung müssen sie sich hart erkämpfen, Mitspracherecht in der Familie haben sie kaum, die Wahl des Ehepartners ist meist den Eltern vorbehalten. Steigende HIV/Aids Infektionen, mangelnde medizinische Versorgung, fehlende Schulbildung, vor allem für Mädchen, sowie das Fehlen von Perspektiven für die Jugend erzeugen ein Klima von Unsicherheit und Hoffnungslosigkeit.

Doch die Insel hat Potential. Sie ist ein Juwel im Indischen Ozean, hat fruchtbare Böden, ein einmaliges kulturelles Erbe, fantastische Strände, aktive, gebildete, engagierte junge Frauen und Männer, die die Zukunft ihrer Heimat mitgestalten möchten. Dieses Potential wird nicht genutzt, die lokalen Ressourcen werden nicht eingesetzt. Selbst der boomende Tourismus geht an der Bevölkerung vorbei.

Die Frauen wissen am besten über die Probleme auf der Insel Bescheid. Wir brauchen vieles hier, Straßen zum Beispiel, aber was ist mit Bildung? Was ist mit der medizinischen Versorgung, mit sauberem Trinkwasser?
Frauen sind sich der Probleme mehr bewusst als Männer. Männer schauen immer nur auf große Projekte, Unerreichbares. Aber Frauen kümmern sich wirklich um die Menschen, sie vertreten die Bevölkerung. Männer vertreten nur sich selbst, ihre eigenen Wünsche
“. (Sania Hassan, Ministerin für Tourismus)

Die Frauen von Sansibar müssen gefördert und ermutigt werden, sich für ihr Land einzusetzen und aktiv nach Chancen zu suchen. Das im Sommer 2008 realisierte Projekt – Schwimm- und Wasserrettungstraining in Kombination mit Bewusstseinsbildungs- und Gesundheitsworkshops für junge Frauen und Teamshaping Workshops für StudentInnen - war ein erster Schritt in Richtung „Island of Change“.


Swimming into the Future! Zwischen Schleier und Badedress


Vier professionelle österreichische Schwimmtrainerinnen – Elke Reicht und Elisabeth Szalay von der Österreichischen Wasserrettung und Hedi Weirer und Eva Zagorz vom Österreichischen Jugendrotkreuz – trainierten insgesamt eine bunt zusammengesetzte Truppe von 38 Frauen: Soldatinnen, die bei der Navy oder in der Landesverteidigung arbeiten, Hausfrauen und Bäuerinnen von der Nachbarinsel Pemba, Unternehmerinnen und Aktivistinnen, Näherinnen und Sportlerinnen nahmen am fünftägigen Schwimmtraining teil.
Die Nichtschwimmerinnen und Anfängerinnen lernten zu schwimmen, übten die richtigen Bein- und Armtechniken, die richtige Atmung, lernten, sich im Wasser treiben zu lassen. Diejenigen, die bereits schwimmen konnten, nahmen am Wasser- und Rettungsschwimmtraining teil.

"Ich habe in einer kurzen Zeit so viel gelernt. Ich kann nun tauchen, kann meine Atmung richtig einsetzen und weiß, wie man sich treiben lässt im Wasser, das ist wunderbar. Und ich habe so viele neue Menschen hier getroffen, ich freue mich, neue Freundinnen zu haben“, lautete das Resümee von Amina.

Das wichtigste, was wir in dieser Woche gelernt haben, ist Erste Hilfe und Wasserrettung. Wir leben schließlich auf einer Insel und sind vom Indischen Ozean umgeben und die Jugend ist sehr gerne am Strand und schwimmt im Meer. Wir hoffen und wir beten auch dafür, dass dies nicht das erste und gleichzeitig das letzte Training war und hoffen, es gibt eine Fortsetzung. Wir hoffen auch, dass wir eines Tages die Möglichkeit haben, Swimmingpools in unseren Communities zu bauen, um unseren Mitmenschen das Gelernte zeigen zu können. Wir werden uns besonders bemühen, unsere Communities zu unterrichten, ihnen zu geben, was wir gewonnen haben, damit wir alle profitieren.“ (Feedback der gesamten Gruppe)


My Body, My Self!


Zusätzlich zum Schwimmtraining fand ein Bewusstseinsbildungs- und Gesundheitsworkshop für die Teilnehmerinnen statt. Ein eigens erarbeitetes Trainingshandbuch ging gezielt auf die Bedürfnisse der sansibarischen Frauen ein. Gesundheit wurde breit definiert, als körperliches Wohlbefinden, innerliche Balance, Gewaltfreiheit und Leben in einer gesunden Umwelt.

Der Sprung ins Wasser war für viele Frauen symbolisch. Es wurden innere Spannungen ausgelöst, Ängste überwunden und der direkte Zugang zum eigenen Körper und zu den Emotionen gefunden.
Häusliche Gewalt ist ein großes Problem auf Sansibar, ein Tabuthema. Es gibt keine Einrichtungen für Opfer von Gewalt, keine Frauenhäuser oder Hotlines. Kulturelle Normen und Restriktionen, Schamgefühl und Ehre halten viele Frauen davon ab, von gewalttätigen Übergriffen zu erzählen. Im Workshop hatten die Teilnehmerinnen die Möglichkeit, über häusliche Gewalt zu sprechen – großteils zum ersten Mal in ihrem Leben.

Ich habe in kurzer Zeit so viel gelernt. Sobald ich wieder zu Hause bin, werde ich alles meiner Familie lernen. Vor allem, dass es so wichtig ist, vertrauen zu können. Ich werde meiner Familie alles beibringen, damit sie aufwachen, damit sie vertrauen.“ (Salma)


Teamshaping – The young Zanzibari Talent Pool makes Africa their Job

Ulrich Kropiunigg, Psychotherapeut und Professor and der Medizinischen Universität Wien leitete zwei Teamshaping Seminare für Studentinnen und Studenten der Sansibar State University und der Zanzibar University.

Bei Teamshaping gibt es keinerlei inhaltliche Vorgaben, von den Studierenden wurde erwartet, ihr eigenes Thema bzw. ihre Zielvorstellungen selbständig zu entwickeln. Teamshaping gibt lediglich kommunikative Strukturen vor: Motivation, Sachebene, Personebene, Settingbedingungen und das Ziel. Diese fünf Ebenen werden im Laufe des Workshops durch kontinuierliche Reflexion immer wieder überprüft. Die erste Gruppe, die aus 22 StudentInnen bestand, entschloss sich, das Thema Weiterbildung für Frauen zu bearbeiten; die zweite Gruppe – junge 18 Frauen und Männer – widmete sich dem Thema häusliche Gewalt in Sansibar.
Die TeilnehmerInnen kamen aus sehr unterschiedlichen Familien, sie alle haben große Ziele und wollen unbedingt aktiv an der Gestaltung des Landes teilnehmen:

Ich bin Fatma und 26 Jahre alt, ich habe gerade mein Studium abgeschlossen und werde als English und Suaheli Lehrerin arbeiten. Ich hoffe, dass ich eines Tages auf der State University in Sansibar unterrichten kann. Und mein Traum ist es, vorher meinen Master im Ausland zu machen, in England oder in den USA.
Ich komme aus einer großen Familie, wir sind aber alle zur Schule gegangen. Aber meine ältere Schwester hat mit 15 die Schule verlassen und hat geheiratet. Ich möchte auch einmal verheiratet sein und Kinder haben, aber erst dann, wenn ich meine Ausbildung fertig habe. Ich habe sehr viel gelernt und hart gearbeitet, ich möchte nicht, dass das umsonst war
.“

Vom Teamshapingworkshop erwarteten sich die Teilnehmerinnen vor allem mehr Vertrauen in sich selbst und ihre Fähigkeiten und Empowerment.
Ich kann mein Wissen für Sansibar einsetzen und zu einem Wandel beitragen. Ich habe die Möglichkeit, Frauen zu stärken und dafür einzutreten. Ich werde Frauengruppen organisieren, damit wir für unsere Rechte eintreten können“, formuliert Reziki ihre Pläne für die Zukunft.


The Island of Change – Walking into the Future

Eine Fact Finding Mission zu den Themen Umwelt, Gesundheit und Tourismus ermöglichte den Aufbau eines umfassenden Netzwerks auf Sansibar und legte den Grundstein für Ideen und zukünftige Projekte. Frauen ohne Grenzen traf MinisterInnen, Aktivistinnen, Journalistinnen, Ärztinnen, Rechtsanwältinnen, Sportlerinnen, InvestorInnen - mit Erfolg: derzeit wird in Kooperation mit der Partnerorganisation ZAYEDESA die erste anonyme Anti-Gewalt Hotline für Frauen in Sansibar aufgebaut.

Ausführliche Berichte zu den einzelnen Workshops sowie einen Film zum Projekt können Sie in Kürze über die Webseite downloaden!

Wir danken unseren UnterstützerInnen und SponsorInnen:
Bundeskanzleramt Sport
OPEC Fund
McCaw Foundation
Wasserrettung
Jugendrotkreuz
BTU Travel
Hervis Sports
u.a.

 
 

« Zurück zur ÜbersichtArtikel weiterleiten Artikel drucken