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12. Juni 2007

Podium KulturCafe © AnnA BlaU

Am Podium v.l.n.r.: Sozialminister Dr. Erwin Buchinger, Dr. Edit Schlaffer, Archana Kapoor aus Indien und Dr. Jutta Stefan-Bastl, Botschafterin in Neu Delhi.

Publikum im KulturCafe © AnnA BlaU

FoG und Minister Buchinger © AnnA BlaU

v.l.n.r.: Dr. Erwin Buchinger, Dr. Edit Schlaffer, Archana Kapoor, Dr. Sheel Kant Sharma, indischer Botschafter in Wien, Dr. Jutta Stefan-Bastl

Gruppe mit Äffchen © AnnA BlaU

Gruppe Kulturcafe &ocpy; AnnA BlaU

v.l.n.r.: Elisabeth Kasbauer, Archana Kapoor, Edit Schlaffer, Jutta Stefan-Bastl, Peter Stefan, Sheel Kant Sharma

Am Boot mit Witwen © Peter Stefan

Edit Schlaffer und Botschafterin Jutta Stefan-Bastl mit Frauen aus Kokilimedu im Frauen ohne Grenzen Boot.

Indische Männer © FoG

Dorfbewohner diskutieren das Frauen ohne Grenzen Programm

Buchinger, Kapoor, Sharma © AnnA BlaU

Minister Buchinger im Gespräch mit Archana Kapoor und Botschafter Sheel Kant Sharma

Der Tsunami und die Frauen

Wir haben ihnen eine Stimme gegeben, eine Stimme gegen Gewalt und Ungleichheit

Projekt- und Filmpräsentation, 8. Juni 2007, KulturCafe.

Eröffnung
Sozialminister Dr. Erwin Buchinger
Am Podium
Archana Kapoor / NGO Smart, Frauen ohne Grenzen Projektpartnerin in Indien
Dr. Jutta Stefan-Bastl / Österreichische Botschafterin Neu Delhi
Dr. Edit Schlaffer / Frauen ohne Grenzen

Die Tsunami Katastrophe vom Dezember 2004 ist für viele schon fast vergessen. Die Probleme in den betroffenen Regionen sind zum Teil noch sehr nachhaltig vorhanden.
Nach dem Tsunami haben wir von internationalen Organisationen die alarmierende Nachricht erhalten, dass mit all der Hilfe, die in die Fischerdörfer gekommen ist, die Frauen nicht wirklich erreicht wurden. Der Grund dafür: Frauen waren nicht in die von der Regierung erstellten Haushaltslisten inkludiert und waren damit, besonders dann, wenn sie allein stehend waren, von den internationalen Hilfslieferungen ausgeschlossen. Zudem wurde vieles vorab von den Männern abgefangen, und direkt in Alkohol umgesetzt. Gewalt ist in den patriachalen Fischergemeinschaften ein großes Problem.

In Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen haben wir zwei einzigartige und erfolgreiche Initiativen gestartet: "Connecting Women and Children for Hope!" in den Fischerdörfern Venpurusham und Kokilimedu und „Take your Future into your Hands“, ein wirtschaftliches Empowerment Projekt für Witwen und Frauen über 40, in 25 weiteren Dörfern in der Region.

Der Projekt Film „Life beyond Tsunami“ dokumentiert das Best Practice Projekt, bei dem Katastrophen- und Entwicklungshilfe gezielt in Frauenhände übergeben wurde; die effizienteste Strategie, um die gesamte Gemeinschaft zu erreichen.
Es wurden Frauenkooperativen gegründet, die Männer haben die Boote, Netze etc. von den Frauen gemietet und der Erlös ging an die Haushalte – Geld für Schule und Gesundheit wurde gemeinsam verwaltet. Regelmäßige Gesundheitsdienste und Schulungen zu Ernährung, sexueller Aufklärung und Hygiene waren Teil des Programms. Frauen haben Autofahren gelernt und ein Taxi Service eröffnet. Schwimmen gelernt, um Trauma und Angst vor dem Wasser zu überwinden - innovative Ansätze in diesen traditionellen Gemeinschaften.

Sozialminister Dr. Erwin Buchinger sieht diese Initiative als einen beeindruckenden neuen Weg, der Lebensperspektiven für die Betroffenen ermöglicht:

Hier wird dem Rechnung getragen, dass durch das teilweise Fehlen von Männern aufgrund der unmittelbaren Ergebnisse der Katastrophe die Frauen ihr Schicksal, die Entwicklungsmöglichkeiten zur Region, selbst gesteuert haben und sich dadurch auch im besonderen Ausmaß den Respekt der Männer zugezogen haben. Es ist leider so, Männer setzen den Respekt der Frauen als selbstverständlich voraus, Frauen müssen sich in neuen Lebenssituationen diesen Respekt erst mühsam erwerben - das ist ungerecht, aber das ist auch ein Ansatzpunkt für Projekte.
Das wichtigste Ergebnis des Projektes, wie ich es wahrnehme, war, dass das Selbstvertrauen und das Selbstbewusstsein der Frauen in der Region gestärkt werden konnte - da kann ich mir gar nichts Nachhaltigeres vorstellen.
Mir gefällt ganz besonders, wie intelligent Sie die Männer mit ihren vielfältigen Vorbehalten und Vorurteilen, die es in Indien wie in Österreich gibt, miteingebunden haben. Und ich wünsche der betroffenen Region, dass die Ergebnisse lange wirken mögen."


Archana Kapoor leitete das Projekt mit ihrer NGO SMART und einem lokalen Team in Indien:

Als Inderin weiß ich, dass Armut weiblich ist. Vor allem in den Fischerdörfern sind Frauen benachteiligt, nach dem Tsunami hat sich das besonders deutlich gezeigt.
Um Armut zu reduzieren und einen Schritt in Richtung Gleichberechtigung zu tun, war es notwendig, Frauen den Zugang zu Bildung, Information und wirtschaftlichen Ressourcen zu ermöglichen. Unsere Aktivitäten haben die Frauen in den Dörfern dabei unterstützt, ihre Ängste zu überwinden und sie für die Ungerechtigkeit der häuslichen Gewalt zu sensibilisieren.
Wir haben ihnen eine Stimme gegeben, eine Stimme gegen Gewalt und Ungleichheit.
Mit der Unterstützung des Österreichischen Sozialministeriums haben wir eine Menge erreicht; die Gemeinschaften, mit denen wir gearbeitet haben, sind heute imstande, ihr Leben selbst zu gestalten. .
Aber es gibt noch viel zu tun. Wir müssen vor allem das Thema Gewalt in Angriff nehmen und mit den Männern arbeiten und gezielt Programme entwickeln, die Männer einbinden. Wir müssen den Frauen den Unterschied zwischen Gewalt und Unfall klar machen
."

Das Projekt wurde auch durch die tatkräftige Unterstützung der österreichischen Botschafterin in Neu Delhi, Dr. Jutta Stefan-Bastl, ein Erfolg:

"Sie erinnern erinnern sich noch, Indien kurz nach der Tsunami Katastrophe keine internationale Hilfe akzeptiert. Die indische Regierung dachte, sie könnte alles selbst bewerkstelligen. Doch nach und nach sind trotzdem NGOs ins Land gekommen und haben ihre Projekte gestartet.
Im Frauen ohne Grenzen Projekt hat sich deutlich gezeigt, dass das Selbstbewusstsein der Frauen der Schlüssel für Veränderung der gesamten Dorfgemeinschaft ist. Frauen haben in den Dörfern Autofahren und Schwimmen gelernt, Kooperativen gegründet und selbständig Projekte geleitet, das muss in die Welt hinausgetragen werden.
Ich erinnere mich, als ich das letzte Mal in den Dörfern war und wir ein Gemeindezentrum eröffnet haben, gab es einen interessanten Zwischenfall: Ein kleines Mädchen hat ein selbst geschriebenes Gedicht über starke Frauen und über die Probleme der Frauen in der indischen Gesellschaft vorgetragen. Ein paar Männer haben ihre Schuhe genommen und sind einfach aus dem Raum gegangen…
Es ist noch ein langer Weg, den die indische Gesellschaft gehen muss. Die Regierung ist sich dessen bewusst und solche zukunftsweisenden Projekte wie „Connecting Women and Children for Hope“ sind positive Vorlagen
."

Nähere Informationen zu den Projekten finden Sie hier:
Connecting Women and Children for Hope!
Take your Future into your Hands
Women Swimming into the Future

Die Film DVD „Life beyond Tsunami“ können Sie bei uns bestellen:
office@frauen-ohne-grenzen.org , 01 533 455 1


Wir danken Frau Anna Blau für die pro bono Bereitstellung ihrer Fotos!

 
 

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