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16. Februar 2006

Mädchen in Chennai am Beckenrand © Elisabeth Kasbauer

Elke,Hedi, Eva mit Frauen © Edit Schlaffer

Future Trainers ©Elisabeth Kasbauer

Die zukünftigen Trainerinnen in Chennai.

Schwimmerin © Elisabeth Kasbauer

Schwimmerinnen in Mamallapuram © Elisabeth Kasbauer

Schwimmerinnen aus den Küstendörfern beim Entspannen nach dem Schwimmtraining.

Ms. Jacob beim Schwimmen lernen © Elisabeth Kasbauer

Ms. Jacob bei ihren ersten Schwimmversuchen im Anna Pool in Chennai.

Mädchen schwimmt ©Elisabeth Kasbauer

wasserball © Elisabeth Kasbauer

Indien - Women Swimming into the Future!

Ein Frauen ohne Grenzen Pilotprojekt - Schwimmkurse für Mädchen und Frauen in der südindischen Tsunami Region Tamil Nadu.

Mit Unterstützung der Sektion Sport des Bundeskanzleramts und in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Schwimmverband, der Wasserrettung und dem Österreichischen Jugendrotkreuz, der Sports Development Authority of Tamil Nadu und der Tamil Nadu Tourism Cooperation.

Eigenartig, aber interessant...“ so lautete die erste Reaktion auf unsere Idee, ein Schwimmtraining für Mädchen und Frauen in Chennai und Mamallapuram anzubieten.

Frauen ohne Grenzen sehen Sport als wichtiges Mittel für Empowerment von Frauen. Sport hat einen positiven Einfluss auf die Entwicklung eines gestärkten Selbstbewusstseins und Empowerment hat das Ziel, Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl zu stärken, die eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten zu erkennen und die Kontrolle über Situationen, Beziehungen und das Leben zu gewinnen.
Eine Studie der renommierten britischen Hilfsorganisation Oxfam belegte Ende März 2005, dass der Tsunami im Dezember 2004 bis zu viermal so viele Frauen wie Männer getötet hat.
Frauen in den betroffenen Gebieten sind es nicht gewohnt, sich sportlich zu betätigen, die Mehrzahl kann nicht schwimmen. In den Küstenorten bleiben die Frauen meist bei den Kindern daheim, während die Männer zum Fischen aufs Meer hinausfahren.

Nach dem Tsunami hat sich unser Leben enorm verändert. Wir leiden immer noch an den Folgen dieser Katastrophe und viele Menschen sind traumatisiert und fürchten sich vor dem Wasser. Projekte wie dieses geben uns vertrauen und helfen uns, mit dem Wasser umgehen zu lernen. Das ist sehr wichtig. Viele Menschen sind durch den Tsunami ums Leben gekommen und wir haben Angst, dass so etwas wieder passieren wird. Die Menschen müssen einfach schwimmen können, vor allem Mütter, damit sie ihre Kinder retten können.“ (Selvi, 25 Jahre)


Unter dem Motto „Swim, enjoy and win!“ fand von 2. bis 8. Februar 2006 ein intensives Schwimmtraining in der Region Tamil Nadu statt. Elke Reicht und Friederike Seidl von der Wasserrettung und Hedwig Weirer und Eva Zagorz vom Jugendrotkreuz übernahmen das professionelle Training von insgesamt 45 Mädchen und 14 zukünftigen Trainerinnen in Chennai sowie 24 Frauen aus den Fischerdörfern Tamil Nadus in Mamallapuram.

Die Resonanz und die Ergebnisse am Ende waren überwältigend. Die Mädchen und Frauen kamen täglich voll Energie und Freude zum Training, Mütter und Väter standen stolz am Beckenrand „Ich bin so glücklich, dass meine Tochter die Chance hat, schwimmen zu lernen. Das ist großartig. Sie ist so aufgeregt, dass sie den ganzen Tag von nichts anderem als schwimmen spricht“, erzählt ein Vater, der seine Tochter täglich um 6 Uhr morgens zum Anna Pool in Chennai bringt.

Auch die südindische Presse ist von diesem Frauen ohne Grenzen Projekt begeistert und die zahlreichen Zeitungsberichte (siehe ausgewählte Links unten)
haben zur Folge, dass Frauen ohne Grenzen und die Schwimmtrainerinnen auf der Straße von den Leuten angesprochen werden. „You in the press, swimming - you help!“ kommt ein Tamile auf uns zu und will uns in gebrochenem Englisch für unser Engagement danken.

Das Training für die Frauen aus den umliegenden Fischerdörfern in Mamallapuram beginnt mit einigen Schwierigkeiten; die Frauen fühlen sich in den von uns zur Verfügung gestellten Schwimmanzüge sichtlich unwohl, verhüllen sich zusätzlich mit ihren Schals und können sich vor lauter Sorge um die Bekleidung nur schwer auf das Schwimmen konzentrieren.

Über Nacht lassen wir neue Outfits produzieren – in den langen Hosen und T-Shirts fühlen sich die Frauen wohl und sie beginnen mit großem Enthusiasmus zu schwimmen.
Danke für diese großartige Möglichkeit!“ ruft uns Menakha, 22, aus dem Becken zu – die fröhlichen und strahlenden Gesichter zeigen, wie sehr die Frauen die Bewegung im Wasser genießen.
Schwimmen macht mich so glücklich. Ich genieße es so sehr, Kontrolle über mich selbst zu haben. Ich kann einfach ich selbst sein und ich fühle mich so frei, wenn ich im Wasser bin. Ich lerne sehr viel von diesem Programm und seit ich den ersten Tag im Wasser war, habe ich sehr viel Selbstvertrauen gewonnen. Ich bin nicht ängstlich, ich vertraue einfach mir selbst und bewege mich. Schwimmen ist etwas fürs Leben, wenn man es einmal kann, verlernt man es nicht wieder. Vielen Dank für diese Chance – dieses Programm ist das beste, was in meinem Leben passiert ist.“ (Sudhalakshmi, 22)

Die Frauen zeigen großes Talent und manche schaffen es bereits nach der ersten Trainingseinheit, das Pool ohne Schwimmhilfe zu queren. „Wir werden mit den Frauen bei den nächsten Olympischen Spielen dabei sein“, meint Hedi Weirer, eine der österreichischen Trainerinnen, mit einem Augenzwinkern.

Das Training für die Mädchen und zukünftigen Trainerinnen in Chennai konnte nicht zuletzt durch die tatkräftige Unterstützung der Sports Development Authority von Tamil Nadu umgesetzt werden. Am 3. Tag entschließt sich Ms. Chandra Jacob, die Generaldirektorin und frühere Leistungssportlerin, auch am Schwimmtraining teilzunehmen.
Nach den ersten zwei Schwimmstunden meint sie: „Nein, es war überhaupt nicht anstrengend. Ich habe es einfach genossen und war konzentriert. Ich bin ein Workaholic, für mich ist nichts unmöglich. Ich bin eine Sportlerin, und Sportlerinnen fühlen sich niemals alt. Ich bin jetzt 57, mit 52 habe ich den Führerschein gemacht und jetzt düse ich mit meinem Scooter durch Chennai. Dieses Programm ist eine einmalige Chance!“

Dolmetscherinnen helfen den Trainerinnen, etwaige Sprachbarrieren zu überwinden, aber die Sprache ist nebensächlich „du brauchst keine Worte, du kannst die Bewegungen einfach zeigen“, meint Elke Reicht – Sport hat keine Grenzen.

Am 7. und letzten Trainingstag übergeben wir Frauen ohne Grenzen-Zertifikate sowie Kugelschreiber, Schlüsselanhänger, Wasserrettungs-T-Shirts und Teddybären von ÖJRK und Wasserrettung. Teilnehmerinnen, Eltern, Trainerinnen und Frauen ohne Grenzen sind sichtlich stolz und die positive Energie, die sich in dieser Woche in allen Beteiligten breit gemacht hat, begleitet uns bis nach Wien.

Unser großer Dank gilt Archana Kapoor. Ohne ihre Unterstützung wäre das Projekt nicht zustande gekommen und, das allerwichtigste: sie hat den ersten Frauen ohne Grenzen-Film produziert! Die Premiere von „Different Strokes“ fand am 20. Februar im Rahmen der UN-Presskonferenz „Sport for Development and Peace“ in Wien statt.

Den 1. Frauen ohne Grenzen Film "Different Strokes!", der Einblicke in dieses und die beiden anderen Frauen ohne Grenzen Projekte in Südindien gibt, können Sie bei office@frauen-ohne-grenzen.org">Frauen ohne Grenzen bestellen (Preis auf Nachfrage).

Links zu ausgewählten Presseartikeln:

Hardnews: "Taking the Plunge"
The Hindu: “Empowering women through sports

DNA India: “Fisherwomen in tsunami-hit areas are now learning to swim”

Newkerala.com: “Now, Tamil Nadu women learn swimming to confront future Tsunamis” 

 
 

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