15. Juni 2005
v.l.n.r.: Botschafter Gasana, Ministerin Liese Prokop, Staatssekretär Karl Schweitzer und Edit Schlaffer mit den Fußballdressen
v.l.n.r.: Botschafter Gasana, Ministerin Liese Prokop, Staatssekretär Schweitzer und Edit Schlaffer bei der Veranstaltung im Innenministerium
Präsentation des Projektes im Innenministerium, 13. Juni 2005
Ein Frauen ohne Grenzen Mädchen Fußball Projekt in Ruanda
Selbstsicherheit, Kompetenz und Traumabewältigung durch Sport
Am 13. Juni wurde das Projekt „Kicken für die Versöhnung“ gemeinsam mit Innenministerin Liese Prokop, Staatssekretär Karl Schweitzer und dem Botschafter für die Republik Ruanda, Eugene-Richard Gasana, im Innenministerium präsentiert.
Der österreichische Sport organisierte einschlägige Sponsoren für die Outfits der 160 Mädchen; die Fußballdressen wurden im Rahmen der Veranstaltung symbolisch an den Botschafter übergeben.
Edit Schlaffer, Vorsitzende Frauen ohne Grenzen:
Sehr geehrte Frau Bundesminister, sehr geehrter Herr Botschafter, sehr geehrter Herr Staatssekretär, liebe JournalistInnen und Anwesende,
im Namen von Frauen ohne Grenzen möchte ich mich für die Realisierung dieses Projekts, das zwar klein, aber sehr symbolisch ist, bedanken.
Die ruandesische weibliche Jugend wird gemeinsam Fußball spielen, Hutus und Tutsis. Zehn Mädchen-Fußballteams beginnen zu trainieren, sie kicken für die Versöhnung. Wir alle haben die dramatische Geschichte Ruandas mit verfolgt. „Never again“ lautet der Slogan der jungen Ruandesinnen und Ruandesen und das verbindet Österreich mit Ruanda. Wir sagen niemals wieder Hass und Verfolgung, das ist unsere gemeinsame Vision für eine moderne Zivilgesellschaft.
Die Zukunft Ruandas ist in kompetenten weiblichen Händen. Demokratie bedeutet weibliche Beteiligung und Mitbestimmung. Österreich hat einen großen Schritt in diese Richtung gemacht und Ruanda ist uns sogar ein Stückchen voraus: es gibt 50% weibliche Parlamentarierinnen. Das ist eine wundervolle Botschaft für die Welt. Wir hoffen, dass die ruandesische und die österreichische Jugend durch das powervolle Instrument Sport, das keine Grenzen und Vorurteile kennt, zusammenkommen wird.
Wir hoffen, dass diese jungen Frauen für ihre Zukunft auf dem Fußballfeld trainieren, dass sie ihre Fähigkeiten im Parlament ausüben, weltweit, um zu einem demokratischen Ruanda beizutragen. Die Beteiligung von Frauen an der Politik und in der Entwicklung ist der größte Garant für Demokratie und Frieden. Und durch Fußball können nun die ruandesischen Mädchen das trainieren, was für eine Zivilgesellschaft wesentlich ist: Teamgeist, Spielregeln, Niederlagen akzeptieren, anderen eine Chance geben und vor allem Solidarität.
Frauen ohne Grenzen werden Ruandesinnen nach Wien zu einem „Leadership for Peace“ Camp einladen, um Brücken zu Österreich zu bauen, um für Freundschaft und gegenseitiges Verstehen zu kicken.
Unser besonderer Dank gilt dem Bundeskanzleramt und dem Österreichischen Sport, insbesondere dem Einsatz von Sektionschef Robert Pelousek, der das Sponsoring der professionellen Fußballoutfits für 160 Mädchen möglich gemacht hat.
Frauen verändern die Welt - mit der tatkräftigen Unterstützung von Männern, die sich für diese Veränderungen einsetzen.
Bundesministerin Liese Prokop:
Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich danke, dass es so kurzfristig möglich war, diesen Akt hier im Oktogonsaal des Innenministeriums zu vollziehen. Ich stehe hier in doppelter Funktion: Ich bin auf der einen Seite als Innenministerin glücklich, dass es so etwas gibt. Wir sind gerade im heurigen Jahr des Gedenkens und Bedenkens auch zuständig für die Gedenkstätten in Österreich. Das „nie wieder“ ist auch für uns ein ganz, ganz wichtiges Wort. Und es heißt, dass wir auf dieser Ebene, nicht nur in Österreich, sondern generell, für die Demokratie kämpfen müssen, und es so aufbereiten müssen, dass solche Geschehnisse tatsächlich nie wieder vorkommen.
Auf der anderen Seite bin ich auch Sportfunktionärin eines großen österreichischen Dachverbandes und wir haben gerne mitgeholfen, diese großartige Idee von Frauen ohne Grenzen aufzunehmen, mitzutragen und mitzuhelfen, das Projekt umzusetzen. Ich möchte Ihnen, dieser Aktion, dieser wirklich vorbildlichen Initiative, Danke sagen, denn Ruanda hat mit dem Bürgerkrieg Schreckliches erlebt und innerhalb kürzester Zeit haben hunderttausende Menschen ihr Leben verloren. Besonders die Frauen haben vielfach und mehrfach darunter gelitten. Ich glaube, diese Initiative kann Frauen Selbstvertrauen und Selbstgefühl geben. Und wenn sie diese großartige Leistung schon haben, dass 50% der Parlamentarier Frauen sind, so ist das ein gewaltiger Schritt der hier gelungen ist. Da möchte ich Ihnen, Herr Botschafter, wirklich herzlich dazu gratulieren. Ich glaube, dass Sport ein sehr gutes Mittel ist, Völkerverständigung, demokratisches Bewusstsein, aber auch Selbstvertrauen zu fördern. Und so freue ich mich, dass in der Hauptstadt Kigali beide Gruppen, sowohl Tutsi als auch Hutu, zusammenspielen, miteinander spielen, miteinander diesen Weg gehen. So wird bei Weltmeisterschaften auch bald eine ruandische Fußballnationalmannschaft dabei sein und dann werden sich die ÖsterreicherInnen sehr bemühen müssen, da noch Pari bieten zu können. Ich bin überzeugt, dass durch eine derartig systematische Aufbauarbeit die Begeisterung breit wachsen wird.
Ich wünsche Ihnen heute alles Gute, ich wünsche Ihnen, dass sich dieser Bereich auch wirklich aufbaut und zur Festigung der Situation insgesamt beträgt.
Botschafter für die demokratische Republik Ruanda Eugene-Richard Gasana:
Vielen Dank Frau Bundesministerin, Herr Staatssekretär. Es ist eine Ehre und eine Freude heute hier zu sein. Dabei zu sein ist alles. Und ich denke, das ist es, weswegen wir heute hier sind, um mein Land zu unterstützen, zu helfen. Ich bin sehr bewegt, ich fühle mich sehr geehrt, was Sie für mein Land, besonders für unsere Mütter, unsere Schwestern, für unsere Frauen und unsere Großmütter tun. Ich denke Sport kennt keine Grenzen. So wie das Motto von Frauen ohne Grenzen. Sport kennt keine Grenzen, Sport kennt keine Fahnen, Sport hat keine Vorurteile. Man hat nur ein Ziel, nämlich zu gewinnen, aber gemeinsam zu gewinnen.
Ich hatte eigentlich eine Rede vorbereitet, aber ich möchte lieber von Herzen sprechen, ich möchte für alles hier meine Dankbarkeit ausdrücken, für alles was Sie tun, für die ganzen guten Gedanken, für die guten Absichten, ein solches Projekt in die Tat umzusetzen. Ich bin so dankbar, dass Sie alle diese Vorhaben unterstützen, um unsere Menschen glücklich zu machen - das ist die Zukunft Ruandas. Es stimmt, dass Ruanda viel durchmachen musste. Jeder weiß das. Wir sind auf einem guten Weg. Wie Goethe schon gesagt hat, als er die Begegnung von Menschen beschreibt als ein Ausatmen und ein Einatmen - ich gebe Ihnen etwas und bekomme etwas zurück. Ich hoffe, dass so etwas wie der Genozid 1994 nie wieder passiert. Das ist doch vor 50, 60 Jahren hier in Europa auch geschehen, das ist überall möglich. Kein Mensch wird verschont von so etwas. Es könnte auch hier noch einmal passieren, man weiß es nicht, deshalb muss man immer wachsam sein. Und deshalb hoffe ich auch, dass Sie einmal Ihre Kinder nach Ruanda schicken, aber nicht nur die Kinder, sondern auch österreichische Erwachsene, um sich mit unseren Landsleuten auszutauschen und um zu schauen, wie wir gemeinsam so etwas das nächste Mal verhindern können, und zwar auf der ganzen Welt.
Ich freue mich über die ganze Zuneigung und Unterstützung vom Bundeskanzleramt, von Ihnen und allen Sponsoren. Und besonders bedanken möchte ich mich bei Frauen ohne Grenzen. Vielen Dank.
Lesen Sie hier mehr über das Projekt "Kicken für die Versöhnung".