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04. Mai 2012

Alaa and Edit

Alaa Murabit and Edit Schlaffer

Eine starke Stimme für Libysche Frauen

Edit Schlaffer im Gespräch mit Alaa Murabit


Edit Schlaffer hat Alaa Murabit am 16.April bei der KVINFO ‘Women in a Changing Middle East and North Africa: Facing Challenges and Seizing Opportunities’ Konferenz in Kopenhagen, Dänemark, interviewt.





Ich möchte Ihnen Alaa Murabit vorstellen, eine 22-jährige Ärztin, selbstbezeichnete “zufällige Aktivistin” und die Gründerin und Vorsitzende der Organisation Voice of Libyan Women (VLW). Die VLW ist eine NGO in Tripolis, mit Zweigstellen in Zawia und Misrata, die sich auf die politische Partizipation und ökonomische Förderung von libyschen Frauen konzentriert sowie auf die Eliminierung sämtlicher Formen von Diskriminierung gegen Frauen.
Alaa wurde als Tochter libyscher Eltern in Kanada geboren und kehrte nach Libyen zurück, nachdem sie mit 14 ihren High School Abschluss gemacht hatte. Sie beschreibt den Übergang zum Leben in Libyen als absoluten Schock für sie als Teenager – abgeschnitten von den Freiheiten, die sie als Kind hatte, wo alltägliche Dinge wie Internetzugang zu einem Luxus wurden. Moderne Telekommunikation fehlt noch immer in vielen libyschen Haushalten, vor allem in den weniger reichen, außerhalb von Tripolis oder anderen Hauptstädten (Alaa erwähnt eine Internetabdeckung von nur 5% im Landesinneren). „Nur wenige Jahre nach dem Umzug wurde ich von der Welle der Libyschen Revolution mitgerissen“, wie sie sagt, „in dem Moment, als ich die Kultur akzeptierte, entschieden sie, eine Revolution zu machen.“

Alaa sah wie sich die Frauen um sie herum – ihre Freundinnen, Schwestern, Tanten –in der Revolution engagierten, dabei jedoch oft eher im Hintergrund blieben. Während die Männer bewaffnet auf die Straße gingen, begleitet von Nachrichtenteams, übernahmen die zu Hause gebliebenen Frauen zusätzlich die Aufgaben der Männer im Haushalt und versorgten die Kämpfer an der Front mit Essen, Medizin und Waffen. Alaa sagt, die Frauen übernahmen diese neue Rolle mit echter Eigeninitiative: „Frauen fragten nicht um Erlaubnis, um ein Teil der Revolution zu werden, sie empfanden es als ihre Pflicht.“

Inzwischen sieht Alaa jedoch eine Gefahr im Hype um den „Arabischen Frühling” – einem Begriff, mit dem sie nicht glücklich ist. „Wir müssen sehr aufpassen, nicht im Schock des Arabischen Frühlings verloren zu gehen, bevor es zu spät ist und wir merken, dass die Frauen an den Rand gedrängt wurden. Wenn wir diese Chance nützen wollen, müssen wir Frauen in Positionen bringen, in denen sie politische und wirtschaftliche Macht haben – und nicht nur Frauen, die einfach „ja“ zu den bestehenden Regierungsstrukturen, Amtsträgern und Gesetzen sagen werden; und nicht einfach Quotenfüller, sondern Frauen, die sich tatsächlich für Frauen einsetzen.“

„Es herrscht momentan diese Illusion der Freiheit. Zuvor hat niemand über Gaddafi gesprochen. Als ich gerade aus Kanada gekommen war, sagte meine Großmutter immer zu mir: ‚Die Wände haben Ohren‘. Und jetzt können wir zwar alle sagen, was wir wollen, aber was bringt es uns, wenn niemand zuhört? Ich fürchte, dass alles eher in Rückschritt als Fortschritt ausarten könnte.“

Alaa Murabit lebt und arbeitet derzeit in Zawia.

Besuchen Sie die Facebook Seite der Voice of Libyan Women: https://www.facebook.com/TheVoiceOfLibyanWomen

Die NGO Voice of Libyan Women kann kontaktiert werden unter info@vlwlibya.org

 
 

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