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03. Mai 2005

Habiba Sarobi © Declan Walsh

Habiba Sarobi, die erste weibliche Gouverneurin Afghanistans.

Afghanische Männer beim Tanz © Mabi Angar

Junge Frauen in Besud, Afghanistan © Mabi Angar

Afghanische Frauen im Vormarsch?

Seit dem Sturz des Taliban-Regimes im Jahr 2001 hat sich die Situation der afghanischen Frauen nur partiell verbessert.

Eine landesweite Kampagne zur Stärkung der Frauenrechte, initiiert vom afghanischen Präsidenten Hamid Karzai, soll nun zur Bewusstseinsbildung beitragen. Doch der afghanische Alltag ist weiterhin ein anderer.


Vergangene Woche drang erstmals seit dem Sturz der Taliban wieder die angebliche Steinigung einer jungen Frau wegen Ehebruch an die internationale Öffentlichkeit.

Kurz nach dem Einmarsch der amerikanischen Truppen in Afghanistan stand das Leid und Leben der afghanischen Bevölkerung im Zentrum der weltweiten Aufmerksamkeit. Doch es war nur eine Frage der Zeit, bis die Scheinwerfer verblassten und sich auf ein anderes Kriegsgebiet richten sollten. Zurück blieb eine verarmte afghanische Bevölkerung, die über Nacht von einem unterdrückerischen Regime befreit wurde und in diesem luftleeren Raum weiterzuleben versuchte.
In einer Gesellschaft, in der sich die Gesetzgebung maßgeblich an religiöser Tradition orientiert, ist der Weg zur Gleichstellung der Frauen ein langer und mühseliger.

Das aktuelle Vorhaben von Präsident Hamid Karzai, eine Kampagne zur Stärkung der Frauenrechte ins Leben zu rufen, stellt daher ein Symbol der Hoffnung dar.
Die Kampagne wird laut Nasreen Haqnigar, Sprecherin des afghanischen Frauenministeriums, vor allem auf Themen wie Gewalt gegen Frauen, Mädchenbildung und Gesundheit beinhalten. In Zusammenarbeit mit über 100 NGOs wird man versuchen, einen nationalen Aktionsplan für die Stärkung der Frauenrechte zu erstellen.
Überhaupt macht sich Karzai momentan auf mehreren Ebenen für die Frauen stark: So will er die gängige Praxis der Zwangsverheiratung endlich stoppen und unter Strafe stellen lassen.

Die frühere Frauenministerin Habiba Sarobi übernahm indessen den Posten der ersten weiblichen Gouverneurin, ein großer Fortschritt für die Durchsetzung der Frauenrechte über die vergleichsweise progressive Hauptstadt Kabul hinaus. Afghanische Provinzgouverneure sind üblicherweise schroffe, bärtige Männer mit einer Vorliebe für den bewaffneten Kampf, süßen Tee und Politik in raucherfüllten Räumen. Die sanftmütige, mütterliche Sarobi entspricht diesem Klischee gar nicht.
Sie lehnte einen prestigereichen Botschafter-Posten ab und forderte von Karzai, die Gouverneurin der Provinz Bamiyan geben zu dürfen. Er sei überrascht gewesen, so Sarobi. Der Anfang war hart; doch mittlerweile hat Sarobi die Unterstützung ihrer Bevölkerung hinter sich. Die Männer inklusive ihrem bärtigen Vorgänger wollen sie nun an ihren Taten messen, und sie ist optimistisch, in dieser Position mehr erreichen zu können als im Frauenministerium.

Währenddessen häufen sich jedoch noch immer Berichte über Gewalt an Frauen und Mädchen. Ehebruch ist in Afghanistan verboten und wird nach dem islamischen Recht, der Sharia, mit drakonischen Strafen versehen.
Erstmals seit dem Sturz der radikal-islamischen Taliban ist nun wieder eine 29jährige Frau wegen Verdacht auf Ehebruch angeblich zu Tode gesteinigt worden, während der Mann, mit dem sie den Ehebruch begangen haben soll, mit 100 Peitschenhieben davon kam.
Öffentliche Steinigungen waren unter den Taliban üblich und einer der offiziellen Kriegsgründe für den Einmarsch der USA. Bei dem aktuellen Fall handelt es sich um den ersten bekannt gewordenen dieser Art in der Ära Karzai. Kabul entsandte sofort ein Ermittlungsteam in die abgelegene Provinz Badakhshan, um den Vorfall zu untersuchen.
Erste Ergebnisse liegen bereits vor: die Frau wurde angeblich nicht gesteinigt, sondern erschossen. Ein Geistlicher, der die Hinrichtung angeordnet habe, sowie der Vater der getöteten Frau und vier weitere Männer wurden festgenommen, teilte das afghanische Innenministerium mit. Ihnen soll in Kürze in Kabul der Prozess gemacht werden.

Die Empörung ist groß, und damit wird der Ruf nach einer Durchsetzung der Frauenrechte in Afghanistan auch international wieder lauter.

Quellen: The Guardian, 26.4.2005; diestandard, 25.4. und 2.5.2005; arab news, 1.4.2005; Women´s Alliance for Peace and Human Rights in Afghanistan (WAPHA)/ Reuters, 19.4.2005

 
 

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