News

Logo SAVE - Sisters against violent extremism

26. November 2009

Edit Schlaffer und Vineeta Sharma © FoG

Edit Schlaffer im Gespräch mit Vineeta Sharma. Sie verlor ihren 16jährigen Sohn bei den Terroranschlägen am 26.11.2008.

„Die Opfer des Terrors in Mumbai müssen über das Trauma hinwegkommen“

Ein Interview mit Edit Schlaffer in Hindustan Times (24.11.2009)

Am 26. November vor einem Jahr wurden 166 Menschen bei einer Terrorserie in Mumbai getötet. Frauen ohne Grenzen, eine internationale Forschungs- und Lobbying Organisation, reiste nach Mumbai, um vor Ort Opfer und Überlebende zu treffen. Die Sozialwissenschaftlerin Dr. Edit Schlaffer, die Frauen ohne Grenzen 2002 in Österreich gründete, sprach mit Hindustan Times über ihre Pläne Frauen, Studierende und Opfer der Anschläge zu versammeln, um den Terror zu bekämpfen.

Warum sind Sie nach Mumbai gekommen?

Vor einem Jahr – als die Terroranschläge in Mumbai begannen - haben wir in Wien die Frauen-Anti-Terror Plattform „Sisters Against Violent Extremism“ gegründet. Damals beschlossen wir, dass wir nach Mumbai kommen würden, um mit den Überlebenden zu sprechen und über die Folgen des Terrors informieren.

Terror-Anschläge betreffen Frauen und Männer gleichsam. Warum glauben Sie, dass gerade Frauen eine wichtige Rolle im Kampf gegen Terror spielen sollten?

Frauen sind als Mütter und Erzieherinnen tiefer in den Gemeinschaften verwurzelt. Sie sind die wahren Autoritäten an der Basis und können die junge Generation erreichen. Wir haben mit vielen Müttern von Jihadis gesprochen. Die meisten von ihnen sahen kommen, dass ihre Söhne in die Fallen extremistischer Ideologien tappten, aber wollten es entweder nicht wahrhaben oder wussten nicht, was sie dagegen tun könnten. Frauen sollten Alarm schlagen, wenn sie merken, dass ihre Söhne, Männer und andere Familienmitglieder sich in extremistischen Ideologien verfangen.

Sind die Maßnahmen, die Indien zur Terrorismusbekämpfung setzt, Ihrer Meinung nach ausreichend?

Diese Anti-Terror-Maßnahmen betrachten das Problem von der falschen Seite. Ich denke, die Zivilgesellschaft muss sich mit der eigentlichen Ursache für Terrorismus befassen. Wir müssen erkennen, dass es Gefühle wie Diskriminierung, Entfremdung und Wut sind, die diese jungen Menschen für die falschen Botschaften extremistischer Gruppen empfänglich machen.

Was raten Sie den Überlebenden und den Angehörigen der Opfer vom 26. November?

Die Opfer der Terroranschläge in Indien sind vollkommen isoliert. Jeder und jede ist völlig auf sich selbst gestellt. Ich denke, sie müssen sich gegenseitig organisieren. Die Familien der 9/11 Opfer sind gut miteinander vernetzt. Dadurch sind sie eine wichtige Stimme in der US-amerikanischen Politik geworden.

Wie soll die Involvierung der Opfer gegen Terror helfen?

Wir brauchen die Stimmen dieser Menschen, die diese Tragödie erlebt haben, um die jungen Menschen zu erreichen. Wir brauchen ihre Geschichte, um die Terroristen direkt anzusprechen: Was bringt es, wenn sie die Menschen, die sie lieben, töten?

Was für Projekte plant Ihre Organisation in Indien?

Wir haben bereits die Kampagne „Students Against Violent Extremism“ in Lucknow und in einigen Schulen in Delhi gestartet. Die StudentInnen haben sich verpflichtet zu handeln, wenn sie sehen, dass ein/e FreundIn in die falsche Richtung abdriftet.

Das Interview erschien am 24. November 2009 in der indischen Tageszeitung Hindustan Times.

 
 

« Zurück zur ÜbersichtArtikel weiterleiten Artikel drucken