Rückblick

Connie Bwiza Sekamana und Edit Schlaffer am Podium, die Rounder Girls sorgen für Stimmung

Connie B. Sekamana war am Internationalen Frauentag 2004 zu Gast bei der Frauen ohne Grenzen Veranstaltung "Frauen machen Frieden - Peace is a Gender Issue!"

Connie Bwiza Sekamana im Publikum ©Stephy Ewers

Die Rounder Girls in Action © Stephy Ewers

Frauen Machen Frieden - Peace is a Gender Issue!

09.03.2004 
Wien

Die ruandesische Politikerin Connie Bwiza Sekamana war zum Internationalen Frauentag zu Gast bei der Frauen ohne Grenzen Veranstaltung "Frauen machen Frieden - Peace is a Gender Issue!" im BAWAG Veranstaltungszentrum Hochholzerhof in Wien.

Ruanda ist heuer durch die internationalen Gedenkfeiern anlässlich des Genozids 1994 ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt. "Niemals wieder" ist der Slogan der jungen RuandesInnen. Sie arbeiten heute wieder Seite an Seite, Hutu und Tutsi, TäterInnen und Opfer. Sie haben neue Institutionen und Kommissionen zur Versöhnung und Überwindung des Traumas, der tief liegenden Gefühle von Hass, Ressentiment und Resignation, eingerichtet.
Eine ganz besondere Rolle spielen die Frauen in diesem Prozess. Das wäre noch nicht allzu erstaunlich, denn das Wegräumen der Trümmer nach dem vollendeten Werk der Zerstörung ist die klassische Rolle der Frauen. Aber in Ruanda haben die Frauen Geschichte gemacht und nicht nur ihr Land einen Quantensprung nach vorne gebracht, sondern eine weltweit einmalige Situation erzeugt: Sie bevölkern das halbe Parlament. Sie sind zentraler Bestandteil des Wiederaufbaus, ihre Präsenz ist der Beweis für das Funktionieren der jungen Demokratie. Connie Bwiza Sekamana hat immer wieder betont, dass diese beeindruckende, und letztlich gerechte Repräsentation der Frauen ein wichtiger Indikator für Demokratie und ein Beweis für das Funktionieren einer Zivilgesellschaft sind.
Wieweit Frauen eine nachhaltige, einflussreiche Rolle spielen werden, ist noch nicht entschieden und ist auch eine große Herausforderung für die Staatengemeinschaft und die internationale Frauenöffentlichkeit.
"We did nothing" lautet das Resümee der Peacekeeperin Linda Polman, die nach zahlreichen Missionen, unter anderem auch in Ruanda, die Unterlassungen der Internationalen Gemeinschaft dokumentiert hat.
Eine Studie der UN Division for the Advancement of Women (UNDAW) hat ergeben, dass eine kritische Masse von 30 bis 35% an Frauen vertreten sein muss, um zu garantieren, dass ihre Rechte und Prioritäten wahrgenommen und gewährleistet werden. Weltweit liegt dieser Prozentsatz bei unter 15%. Während also in den entwickelten Ländern Konferenzen und Arbeitsgruppen tagen, unter dem Schlagwort "engendering politics" Papiere verfasst, Resolutionen verabschiedet werden, die dann oft wieder in Schubladen verschwinden, haben die Frauen Ruandas eine große Herausforderung in ihre Hände genommen: Sie sind entschlossen, ihr Land mitzugestalten, ihre Gesellschaft nicht mehr potentiellen Kriegern und Rebellen zu überlassen. Connie Bwiza Sekamana ist eine Vertreterin dieser neuen Generation entschlossener Frauen. Im Interview mit Martina Handler und Elisabeth Kasbauer hat die Parlamentarierin den "offiziellen Weg" der Frauen ihres Landes gezeichnet.
Kurz nach dem Besuch von Connie Bwiza Sekamana kam die US-Historikerin und Ruanda-Kennerin Alison des Forges auf Einladung des Dr. Karl Renner Institutes nach Wien, um den Bruno Kreisky Preis für das politische Buch 2003 für ihr Lebenswerk "Kein Zeuge darf Überleben", eine Dokumentation des Genozids in Ruanda, entgegenzunehmen.
Im Gespräch mit Edit Schlaffer/Frauen ohne Grenzen zeichnet sie ein differenziertes, vorsichtig optimistisches, aber insgesamt kritisches Bild von einem neuen Ruanda, in dem der hoffnungsvolle Slogan der Frauenbewegung "Women hold up half the Sky" eine reale Bedeutung bekommen hat. Wir werden hoffentlich nicht nur empathische Beobachterinnen dieses Prozesses sein. Frauen ohne Grenzen werden versuchen, die Frauen in Ruanda in ihrem mutigen Unterfangen zu unterstützen.

 
 

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