Rückblick

v.l.n.r.: Edit Schlaffer, Elke Jonigkeit, Michael Y. Wiener

Frauen ohne Grenzen zu Gast in der Schweiz

20.03.2010 
St. Gallen

Am 20. März 2003 lud die Fachhochschule für Technik, Wirtschaft und Soziale Arbeit St. Gallen zur Lancierung von Frauen ohne Grenzen im Dreiländereck Schweiz, Deutschland, Österreich ein. Edit Schlaffer vertrat Frauen ohne Grenzen: „In allen Erdteilen, Kulturen und Schichten kämpfen Frauen, oft unter großen Risiken, um das Recht, gehört zu werden und mitzubestimmen. Es geht dabei um ihre Lebensentwürfe, ihre Teilnahme am öffentlichen Leben, ihren Zugang zu Politik und Wirtschaft, ihre Aus- und Weiterbildung, um Gerechtigkeit und Frieden, um das Wohl ihrer Familien, um ihre demokratischen Rechte, um ihre Menschenrechte. Der Widerstand der Frauen wurde in Afghanistan deutlich sichtbar. Sie haben die Zivilgesellschaft am Leben erhalten, geheime Schulen und Gesundheitseinrichtungen organisiert. Die afghanischen Frauen sind ein gutes Beispiel dafür, dass in einer scheinbar aussichtslosen Situation Widerstand möglich ist. Die Initiative Frauen ohne Grenzen will den weltweiten Dialog von Frauen mit- und untereinander fördern. Ziel ist der Aufbau von Botschaften in möglichst vielen Ländern. Durch den Aufbau von zuverlässigen Allianzen und Netzwerken, durch die Vermittlung von politischer Expertise, durch den Aufbau von Strukturen für die Teilnahme von Frauen am gesellschaftlichen Leben, durch Initiativen für die Realisierung von Menschenrechten, durch gezielte Forschung und Lobbying wollen wir das Selbstvertrauen und die Durchsetzungskraft der Frauen stärken.“ Elke Jonigkeit, Filmemacherin aus Köln (CIRCE Film) und Autorin der Multimedia – Reihe „Berühmte Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts“ führte ihren Film „Die Frauen von Kabul, Sterne am verbannten Himmel“ vor. Der Film zeigt auf eindrückliche Weise das Leben afghanischer Frauen in einem von Kriegen und Männerherrschaft geprägten Land. Die Filmemacherin porträtiert drei sehr unterschiedliche Frauen, die sie bereits während der russischen Besatzungszeit begleitet hatte. Elke Jonigkeit hat in Kabul die Selbsthilfeorganisation Nazo für Frauen gegründet. Frauen können dort durch Ausübung ihres traditionelles Kunsthandwerkes zu ökonomischer Unabhängigkeit kommen, dadurch selbstbestimmter werden und ihren Töchtern zudem Schulbildung - ein zentraler Schlüssel für die Befreiung aus der Unterdrückung - ermöglichen. Mehr zu Elke Jonigkeits Filmen: www.circe-film.de Michael Y. Wiener leitete zusammen mit Dozierenden der Hochschule für Soziale Arbeit den öffentlichen Workshop „Gender und interkulturelle Kommunikation“. „Es ist ein deklariertes Ziel der Hochschule für Soziale Arbeit an der Entwicklung der Zivilgesellschaft mitzuwirken und sich als Hochschule fachlich und politisch zu engagieren . Auch lokal gibt es in der Schweiz noch einiges zu tun: die gleichberechtigte Schweiz von stimm – und wahlberechtigten Männern und Frauen ist de jure erst eine Generation alt, politisch und wirtschaftlich sind Frauen eine starke, aber immer noch kleine Minderheit. Insbesondere werden ca. 500.000 MigrantInnen in der schweizerischen Gesellschaft klar diskriminiert. Im Alltag der Geschlechter erhielt die Schweiz im letzten Bericht der UNO – Menschenrechtskommission eine deutliche Rüge: häusliche Gewalt gegen Frauen und Kinder ist immer noch an der Tagesordnung, nicht zuletzt deswegen, weil diese nach schweizerischem Recht nur bei schwerster Körperverletzung eingeklagt werden kann. Die Hochschulen haben sich bislang wenig dem offenen Dialog zwischen andersartigen und damit trotzdem gleichwertigen PartnerInnen gestellt. Es ist ihre Aufgabe, nicht nur WissenschaftlerInnen und VordenkerInnen und deren Produkte zu liefern, um die Gesellschaft zu entwickeln, sondern ein Forum des Nachdenkens, der Möglichkeiten und Formen des Daseins zu bieten, indem sie ihr Wissen und Reflexionswissen auf einer für alle zugänglichen Plattform zur Verfügung stellt. Vor allem dann, wenn es um die Diskussion von Chancen und Risiken der gesellschaftlichen Entwicklung und Prozesse geht. Wenn wir die Geschichte und die Gegenwart besser verstehen wollen, bleibt uns nichts anderes als das Aufzeigen der Realitäten aus den diskriminierten Perspektiven und die Reflexion über die verschiedenen Konstruktionen der Wirklichkeit. Das haben wir mit dem Anlass in St.Gallen zusammen durchgeführt und dabei neue Gedankenspuren gelegt, die in Zukunft konstruktives Handeln ermöglichen; zumindest da, wo es in unserem Machtbereich liegt und den gilt es auch auszuloten!“ Weiters nahm Wasim Qadire, Präsidentin des Ostschweizer Vereins Hilfe für Afghanistan, als Special Guest an der Veranstaltung teil. Insgesamt wurden mit dieser Veranstaltung 200 Personen mobilisiert. Fernsehen, Radio und Presse konnten für die Anliegen von Frauen ohne Grenzen mobilisiert werden. Pressestimmen: "Frauen sind das Rückgrat der Zivilgesellschaft" - Artikel im St. Galler Tagblatt www.tagblatt.ch/printartikel.cfm?pass_id=760708 „Die Teilnehmenden von Frauen ohne Grenzen in St. Gallen hatten und haben etwas gemeinsam: Sie schauen hin und erkennen die Alternativen für den Protest. Prostest ist nötig, aber was kommt danach? Darauf versuchte gerade diese Veranstaltung Antwort zu geben." Am 1.4. 03 strahlte DRS Radio eine Sendung zum Thema aus. (9.05 - 9.35). Unter folgendem Link kann sie angehört werden: www.drs.ch/drsonline/index.cfm?gbAction=40ADA0D6-2617-4405-A5DAC1F756732626&CategoryNodeID=732E9838-CDFA-42A1-94A0FD73F6570791

 
 

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